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Aktien vor Einbruch – Gold vor Ausbruch?

Drohen die Kurse der US-Aktien in 2016 deutlich einzubrechen? Der Star-Investor Stanley Druckenmiller warnt: In den vergangenen acht Jahren wuchs die US-Staatsverschuldung um satte 9 Billionen Dollar – das ist mehr, als in den letzten 246 Jahren zusammen an Schulden angehäuft wurde. Infolgedessen erwartet er einen Einbruch bei Aktien und einen Ausbruch bei Gold. Was spricht für und was gegen seine These?

Stanley Druckenmiller: Aktien vor Einbruch - Gold vor Ausbruch

Stanley (Stan) Druckenmiller ist wohl einer der erfolgreichsten Spekulanten. Der von ihm betreute Hedgefonds erzielte in 30 Jahren eine durchschnittliche Rendite von 30 Prozent pro Jahr. Noch erstaunlicher ist, dass er in keinem einzigen Jahr einen Verlust eingefahren hat. Der Ex-Partner des Milliardärs George Soros schloss 2010 seinen zwölf Milliarden Dollar schweren Fonds Duquesne Capital Management, nachdem er in den Jahren nach der Finanzkrise mit seiner eigenen Performance nicht mehr zufrieden war und dem hohen persönlichen Engagement Tribut zollen musste. Seither verwaltet Druckenmiller nur noch eigenes Geld. Sein Family-Fund, der rund einer Milliarde Dollar schwer ist, reduzierte seine Aktienquote im dritten Quartal 2015 um 41 Prozent. Im letzten November verriet der Investor, dass er davon überzeugt sei, dass die US-Aktienmärkte seit Juli 2015 in einen Bärenmarkt übergegangen sind.

Auf einer Investoren-Konferenz führte Stanley Druckenmiller zahlreiche Gründe an, warum er von einem Bärenmarkt bei den Aktien in den USA ausgeht. Ein Grund seien die viel zu hohen Bewertungen vieler Aktien, obwohl die Gewinne vieler Unternehmen im S&P 500 seit drei Quartalen in Folge gesunken seien. Das erste Quartal 2016 hat mit einem weiteren Gewinnrückgang von 6,4 Prozent das höchste Minus seit der Finanzkrise in 2008/2009 beschert. Die Umsätze der großen US-Unternehmen sinken sogar schon das fünfte Quartal in Folge. Davon unbeeindruckt notieren die Aktienkurse vieler Unternehmen nahe an ihren historischen Höchstständen. Nach Druckenmiller sei diese Abkopplung zwischen den Gewinnen der Unternehmen und den Kursen der Aktien beispiellos in der Markthistorie.

Unternehmen die größten Käufer von Aktien

Stan Druckenmiller besorgt sich besonders über die extrem hohe Verschuldung. US-Unternehmen hätten sich seit 2008 mit mehr als 9,9 Billionen Dollar verschuldet. Allein im letzten Jahr nahmen die Unternehmen ganze 1,5 Billionen Dollar an neuen Schulden auf. Das wäre kein Problem, wenn sie es in Forschung und Entwicklung investieren würden, um weiter wachen zu können. Doch die Unternehmen verschulden sich vor allem, um eigene Aktien zurückzukaufen oder andere Unternehmen zu übernehmen. In 2015 gaben US-Unternehmen insgesamt mehr als 2 Billionen Dollar für Aktienrückkäufe und Übernahmen aus. Dieses unproduktive Verhalten beginne nun seinen Tribut zu fordern. Es könne nicht nachhaltig sein, wenn die operativen Einnahmen sinken und die Nettoverschuldung parallel dazu steigt.

Während sich die auf Pump finanzierten Aktienrückkäufe weiter erhöhten, reduzierten andere Investoren das Risiko und verkaufen Aktien. Tatsächlich wurden aus US-Publikumsfonds und ETF’s seit Jahresbeginn 225 Milliarden Dollar abgezogen. Das Volumen der Rückkäufe von Aktien war jedoch höher, wodurch die Mittelabflüsse von allen anderen Investoren mehr als kompensiert wurden.

Gold statt Aktien

Im letzten Jahr kaufte Stanley Druckenmiller für den eigenen Family-Fund Gold im Wert von 300 Millionen Dollar, was rund einem Drittel seines Vermögens entspricht. Er sehe Gold nicht als Metall, sondern als Währung. Auch befände sich das politische System nicht am Ende, die Aktienmärkte hingegen schon, sagte er bei einem Vortrag in New York.

Aktien fallen wenn die Kreditblase platzt

Die USA befänden sich in einer unvergleichlichen Schuldenblase. Allein in 2015 habe sich die Gesamtverschuldung der USA um 1,9 Billionen Dollar erhöht, während das Bruttoinlandsprodukt lediglich um 599 Milliarden Dollar stieg. In den vergangenen acht Jahren habe die US-Staatsverschuldung um ganze 9 Billionen Dollar zugelegt – das ist mehr als in den vergangenen 246 Jahren zusammen an Schulden angehäuft worden sei.

Inzwischen glauben immer mehr Ökonomen, dass die US-Notenbank (FED) keine Alternative mehr dazu hat, als die größte Kreditblase aller Zeiten weiter anwachsen zu lassen, damit sie nicht platzt. Denn das endlos billige Geld der FED ermöglichte eine beispiellose Fehlallokation von Kapital, die unter normalen Umständen nie möglich gewesen wäre. Nach 35 Jahren mehr oder weniger kontinuierlich gesunkenen Zinsen, die für einen mächtigen Rückenwind an den Aktienmärkten gesorgt hätten, könne mit Nullzinsen nur ein Bärenmarkt folgen. Die Prognosen weiterer Experten sprechen ebenso für fallende Aktienkurse. Nach Prof. Max Otte hat das „Endspiel begonnen“!

Aktien-Einbruch und Gold-Ausbruch nur eine Frage der Zeit

Auch wenn in den einschägigen Medien andere Gründe für den jüngsten Rücksetzer bei Gold genannt werden, gebe es dafür eine plausible Erklärung, sagt Stanley Druckenmiller: Wie sich aus den Daten der US-Rohstoffbörse Comex ergebe, stehen den rekordverdächtigen Long-Positionen wieder auffällig hohe Short-Positionen gegenüber. Vieles deute darauf hin, dass Goldproduzenten Preise zwischen 1.270 und 1.300 Dollar/Unze genutzt haben, um Teile ihrer künftigen Produktion zu verkaufen.

Je mehr sich jedoch am Markt die Erkenntnis durchsetze, dass die Zinserhöhung in den USA nur eine Rückkehr zur Normalität suggerieren soll, die nicht wirklich durchsetzbar sei, desto mehr werde sich der Bärenmarkt bei Aktien durchsetzen und den Bullenmarkt bei Gold verstärken.

Bewertung

Grundsätzlich hat Stanley Druckenmiller natürlich recht mit seinen Einschätzungen, jedoch können die Notenbanken die Kreditblase noch eine Weile am Leben halten, solange das Vertrauen der Bevölkerungen in das herrschende Geldsystem nicht nachhaltig erschüttert ist. Wie lange das dauern wird, ist schwer zu prognostizieren. Es gibt jedoch schon viele Anzeichen für einen steigenden Vertrauensverlust, aber es gibt mit der Einschränkung des Bargeldes auch die erste harte Reaktion darauf.

Es ist jedoch nicht unwahrscheinlich, dass Unternehmen auch weiterhin eigene Aktien zurückkaufen, die Notenbanken die Aktienmärkte zusätzlich stabilisieren und auch immer mehr Anleger durch die Niedrigzinsen, aus Mangel an Alternativen, in Aktien investieren werden, wodurch der Beginn des von Stanley Druckenmiller erwarteten Bärenmarktes an den US-Börsen hinausgezögert wird. Der Einbruch bei Aktien und der Ausbruch bei Gold könnten deshalb noch auf sich warten lassen. Siehe ausführliche Prognose für Börsen, Aktien und Gold in 2016.

Zusammenfassung:
Titel:
Aktien vor Einbruch – Gold vor Ausbruch?
Kurzbeschreibung:
Einbruch bei Aktien und Ausbruch bei Gold erwartet Stanley Druckenmiller in 2016, aufgrund der hohen US-Staatsverschuldung, Aktienrückkäufen und Nullzinsen.
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veröffentlicht von:
Inflationsschutzbrief © 2016
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