Inflationsschutzbrief – der geldsystemanalytische Börsendienst

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Countdown zum Börsencrash: Krise bringt Inflation und Negativzinsen

Der ehemalige Chefökonom der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), William White, warnt vor einer Krise die gefährlicher werden könnte als 2007/2008. Zentralbanken würden die Probleme nicht mehr lösen können, weshalb noch stärker als in der Finanzkrise ab 2007 die Staaten einspringen müssten, was entweder deren Schulden oder die Inflation und Negativzinsen beträchtlich erhöhen würde. Und wie immer wird einer großen Krise auch ein Börsencrash vorausgehen!

Countdown zum Börsencrash: William White - Gefahr einer neuen Krise mit hoher Inflation und Negativzinsen

21.10.2017: Die Warnungen vor einer neuen Krise nehmen zu, was für uns nicht überraschend ist, sind die Anzeichen dafür doch seit längerer Zeit mehr als offensichtlich. Auch der Kanadier und frühere Chefökonom der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in Basel (BIZ), William White, hat sich schon in 2016 kritisch zu der Lage an den Finanzmärkten geäußert – zuletzt in Zusammenhang mit der Situation in China. Außerdem war White einer der wenigen, der auch die Finanzkrise von 2007 kommen sah.

Neue Krise wenn eine der Kredit-Blasen platzt

Nun hat sich William White erneut zu Wort gemeldet. Die aktuelle Lage sei gefährlicher als in 2007. Sie ähnele sehr dem Jahr 2008, sagte der heutige OECD-Berater kürzlich in einem Interview dem TV-Sender Bloomberg. Auch der aktuelle Chefökonom der BIZ, Claudio Borio, ist seit Ende 2016 mit mehreren Warnungen an die Öffentlichkeit gegangen.

In 2008 mündete die US-Immobilienkrise in eine globale Finanzkrise, obwohl es „nur“ ein Problem bei Immobilien und darauf aufgesetzten Finanzprodukten gab. Heute gibt es eine Vielzahl von Blasen, z. B. bei Anleihen, bei Aktien oder auch bei Immobilien. Jede einzelne Übertreibung gebe Grund zur Sorge, denn das würde den noch anhaltenden Kreditzyklus abrupt beenden und alle bestehenden Blasen platzen lassen, weshalb White die Lage heute als viel schlimmer einstufe als in 2008.

„Eine Periode der Entschuldung hat faktisch nicht stattgefunden“, so William White. Zwar seien bei den staatlichen Haushalten einige Einsparungen vorgenommen worden, die Schuldenquote bei den Unternehmen aber auch bei den Staaten hätte weiter signifikant zugenommen und sie sei in den Schwellenländern geradezu explodiert. Deshalb sind China und Indien für William White mögliche Auslöser einer neuen Krise.

Bereits seit den späten 1980er Jahren sei die Antwort der Zentralbanken während der vergangenen Krisen immer nur mehr billiges Geld gewesen. Und mit jeder Krise sei die Schuldenquote gestiegen. „Am Ende funktioniert die geldpolitische Lockerung überhaupt nicht mehr, und das ist es, was wir heute sehen“, sagt White. Die Zentralbanken würden mit der Geldflut das Problem nur noch verschärfen. Anders sieht das nur der Harward-Professor und Ökonom Larry Summers, der von den Zentralbanken fordert, noch mehr Geld in das System zu pumpen.

Notenbanken können Börsencrash und Krise nicht verhindern

Die Kritik von William White an den Notenbanken ist zwar nichts Neues, neu ist jedoch seine Einschätzung über die begrenzte Handlungsfähigkeit dieser Notenbanken. Die Kapazität dieses Systems sei zu stark überdehnt worden, als dass es sich erholen könne. „Das Kreditvolumen ist auf einem solch hohen Level angelangt, dass sich daraus nun negative Entwicklungen ergeben können“. Diesmal würden wir es aber nicht nur mit einem Liquiditätsproblem wie in 2000 sondern einem noch viel größeren Insolvenzproblem als in 2008 zu tun bekommen, dass die Notenbanker nicht mehr lösen könnten. „Wenn es zu viele Schulden gibt, dann bekommen wir Probleme mit der Auflösung von Schulden oder mit Insolvenzen, die nur die Regierungen adressieren können“, so White.

William White spricht in dem Interview auch das Problem an, dass sich in vielen Volkswirtschaften Kapitalvermögen gegenüber Vermögen aus Arbeitseinkommen in ungesunder Weise entwickelt hätten. Eine Straffung der Geldpolitik sei unvermeidlich, man müsse dabei jedoch sehr vorsichtig sein.

Countdown zum Börsencrash 2017 /2018

Die Welt benötige nach White’s Einschätzung steuerliche und strukturelle Reformen. Daher sei im Falle einer neuen Krise entweder mit einem riesigen Vermögens- und Schuldenschnitt und einer Neuauflage der Bankenrettung oder einer direkten Staatsfinanzierung durch die Notenbanken zu rechnen, um die Inflation anzuheizen, welche die Vermögen entwertet aber vor allem die Schulden reduziert.

William White liegt mit seiner Einschätzung einer drohenden Krise, der üblicherweise ein Börsencrash vorausgeht, nach unserer Beurteilung absolut richtig, obwohl man dabei betonen muss, dass es keine neue Krise sondern noch die alte, sich bald fortsetzende Überschuldungskrise ist. Der aktuelle CAPE-Wert, den Prof. Robert Shiller berechnet, befindet sich mit 31,23 auf dem zweithöchsten jemals ermittelten Niveau und kündigt damit an, dass die Krise bald ausbrechen wird. Shiller-KGV oder Shiller-PE Ratio, wie die Aneinanderreihung der Cape-Werte seit 1880 bis heute auch bezeichnet wird, hat sich als Börsencrash-Indikator oftmals und zuletzt in den Jahren 2000 und 2007 mehr als bewährt.

Ein weiteres Indiz für einen bevorstehenden Börsencrash ist die extrem gegenläufige Entwicklung (Spread) zwischen dem hohen Indexstand des S&P 500 und dem extrem niedrigen Stand des Volatilitätsindex (VIX). Je größer der Abstand beider Indizes zueinander, desto wahrscheinlicher ist ein neuer Börsencrash mit anschließender Krise, wie der Vergleich mit den beiden vorherigen Krisen in der folgenden Grafik zeigt. Betrug die Differenz zwischen S&P 500 und VIX in 2007 im Vergleich zu 2000 noch 150 %, beträgt sie heute im Vergleich zu 2007 schon über 330 %!

 Gefahr einer Krise: Vergleich des S&P 500 mit dem VIX-Index

Inflation zum Abbau von Schulden und Vermögen

Nachdem es bereits in der Finanzkrise erforderlich wurde, dass die Staaten das Bankensystem retten mussten, um einen Kollaps des Systems zu verhindern, dürften die Staaten diesmal gezwungen sein, die Inflation mit allen Mitteln anzuheizen, wie wir an den politischen Vorschlägen des französischen Präsidenten Emmanuel Marcron bereits erkennen können. Gleichzeitig steuern wir auf noch deutlichere Negativzinsen zu. Die Wahrscheinlichkeit, das Larry Summers mit seiner Prognose von bis zu 6 % Negativzinsen recht behält, ist hoch.

Dass mit einer bewusst angeheizten Inflation und Negativzinsen aber nicht die Ursachen sondern nur wieder Symptome bekämpft werden, scheinen einige der politischen Entscheidungsträger mittlerweile begriffen zu haben. Nachdem die Politik aber selten agiert sondern vorwiegend reagiert, werden alternative Lösungen wohl erst nach dem Ausbruch der neuen Krise ernsthaft diskutiert. Die Frage ist nur, welche Konsequenzen für die Allgemeinheit damit verbunden sein werden.

Alle Beiträge dieser Serie gibt es unter “Countdown zum Börsencrash 2017 / 2018″!

Zusammenfassung:
Titel:
Countdown Börsencrash: Krise bringt Inflation und Negativzinsen
Kurzbeschreibung:
Countdown zum Börsencrash: Whilliam White sieht Gefahr einer Krise größer als 2007. Folgen: Höhere Schulden der Staaten oder Inflation und Negativzinsen
Autor:
veröffentlicht von:
Inflationsschutzbrief © 2017
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