Inflationsschutzbrief – der geldsystemanalytische Börsendienst

Nur wer das Geldsystem wirklich versteht, kann die richtigen Anlageentscheidungen treffen!

Wachstumszwang liegt in der GELDWIRTSCHAFT – nicht im Geldsystem allein

“Raimund Brichta und Anton Voglmaier  verorten den Wachstumszwang noch immer im Zinseszins-System. So als ob das Geld sich von sich aus vermehren und Kinder bekommen könnte”, sagt Ernst Dorfner. Der folgende Gastbeitrag als Rezension zu dem Buch “die Wahrheit über Geld” hegt einige Zweifel an den Thesen der Autoren!

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Rezension zu Raimund Brichta/ Anton Voglmayer, „Die Wahrheit über GELD“ als Ergänzung zu den Beiträgen

1. Kontroversen über Vollgeldreform, Geldschöpfung und Wachstumszwang

2. Geldschöpfung Wachstumszwang und Vollgeld

Gastbeitrag von Ernst Dorfner

20.09.2017: Sprach man noch vor enigen Jahren bei wirtschaftspolitischen Diskursen das Thema „Geld“ an, galt man sofort als Exote. Geld spielt keine Rolle, ist neutral. Nun wird viel über Geld geschrieben und debattiert. Aber so wie früher nur über die Realwirtschaft gesprochen wurde, redet man nun nur über das Geld. Die Frage des Zwangs zum Wirtschaftwachstum wird allein im Geldsystem gesucht. Die Ursachen hierfür werden aber nur gefunden, wenn die ganze GELDWIRTSCHAFT, – also die reale und die monetäre Seite in ihrem Zusammenspiel – untersucht wird.

 Wachstumszwang in der Geldwirtschaft – nicht nur im Geldsystem

Raimund Brichta und Anton Voglmaier setzen sich nur mit dem Geld auseinander. Und sie verorten den Wachstumszwang noch immer im Zinseszins-System. So als ob das Geld sich von sich aus vermehren könnte.

Brichta schreibt: „Fasst man nun diese Masse der kleinen Erparnisse und das große Kapital auf den Bankkonten zusammen, erhält man gedanklich einen gigantischen Geldspeicher, der sich auf Grund von Zins und Zinseszins sowie zusätzlich gesparter Beträge unaufhörlich füllt.“ (S. 102)

Das heißt, dass Geld Kinder bekommt, auf den Bankkonten Zinsen gebiert. Geld, das zur bestenden Gesamtsumme der Bankkonten wundersam zuwächst.

Brichta dann weiter:

Die Kontoeinlagen setzen sich vor allem aus Giro-, Tagesgeld-, Termingeld und Sparguthaben zusammen, wie sie jeder kennt. Bei den Giroguthaben ist zwar auch Geld dabei, das nicht gehortet wird, sondern dazu dient, laufende Ausgaben zu decken. Da sich dieser Teil nicht eindeutig vom gebunkerten Geldbeständen trennen lässt, muss er mit erfasst werden.“ (S. 103)

Das heißt nun: Alles Geld ist in den Kontoeinlagen vorhanden, gebunkertes und nicht-gebunkertes. Aber: Auch wenn ich das ganze nicht-gebunkerte Geld zum gebunkerten dazuschlage, wird es in Summe nicht mehr. Auch wenn man mit vorhandenem Geld Bankanleihen und Sparkassenobligationen erwirbt. (S. 103) So also kann der Geldspeicher nicht wachsen, auch wenn nicht gebunkertes Geld in Bankanleihen verwandelt wird. Das nicht gebunkerte Geld wandert nur vom Anleihekäufer zum Anleihebegeber, der es ausgibt.

Wichtig ist nur, dass der gesamte Speicherinhalt über Jahre und Jahrzehnte wächst und nicht schrumpft.“ (S. 103). Aber wie wächst er?

Bisher beschäftigt sich Brichta nur mit der rechten Waagschale, der Schale der Passiven, der Verbindlichkeiten der Bank. Den Forderungen der Bankkunden., die über Zins und Zinseszins angewachsen sind.

Nun erst kommt er zur linken, der Schale der Aktiva, der Forderungen der Bank. Hier heißt es nun „Selbstverständlich müssen diese Schulden auf der Aktivseite Vermögenswerte in entsprechender Höhe gegenüberstehen, damit die Bilanz ausgeglichen ist.“ (S. 104)

Das „Müssen“ impliziert irgendwie die Vorstellung, dass es nun nach dem automatischen Wachsen der rechten Seite der Bilanz Aufgabe der Banken ist, Vermögenswerte aufzutreiben, die sie in die linke Schale ihrer Bilanzenwaage legen können. Das aber läuft so nicht. Die beiden Seiten der Bilanz werden nicht nacheinander gebucht, sondern gleichzeitig, uno actu. Und: Die Bank sucht nicht nach einem Gläubiger, sondern einem Schuldner: den Kreditnehmer, der damit auch Schuldner der Bank wird und bleibt, auch wenn das mit dem Kredit geschöpfte Geld auf ein Konto eines anderen bei der gleichen oder einer anderen Bank überwiesen wird. Und nun Gläubiger der Bank ist. Die rechte und linke Seite der Bilanz werden gleichzeitig gebucht – uno actu -, wenn sich ein Kreditnehmer gefunden hat.

Es gilt:

Niemand außer den Banken kann Geld machen, aber alle können Schulden machen. Soferne sie die Tilgung dieser durch entsprechende Sicherheiten gewähleisten können. Das aber zwingt den Kreditnehmer, den Kredit nicht zu verkonsumieren, sondern zu investieren. Um dann mit dem Verkaufserlös die Schulden zu tilgen. Damit er aber dabei auch Zinsen und Gewinn lukrieren zu kann, muss ihm der Käufer dafür mehr zahlen, als er investiert hat – also sich noch höher verschulden. Hier liegt der Zwang zum Wachtum!

Raimund Brichta aber stolpert hier in seine eigene didaktische Falle, die er ganz am Anfang selbst einbaut: Die zeitliche Trennung der beiden Waagschalen einer Bilanz: „zuerst die rechte Schale…. (S.18), danach die linke ..“ (S. 20) . Was vorerst als didaktisches Hilfsmittel zum einfacheren Verstehen der Buchungsvorgänge erscheinen mag, stellt sich später dann als Falle heraus, wenn er sagt:

Das Geldvernögen rechts kann nur existieren, sofern die Banken über entsprechend hohe Forderungen aus Krediten und Wertpapieren verfügen. Dies Forderungen stellen wiederum die Schulden anderer dar – derjenigen, die Kredite aufgenommen und die Werrpapiere ausgegeben haben.“ (S. 105)

Es kann aber nur solange das Geldvermögen darstellen, wie die Schulden nicht getilgt sind. Dann nämlich kommt das zum Tragen, was Brichta auf Seitr 24 schreibt; „Jede Tilgung eines Bankkredits führt dazu, dass Geld vernichtet wird. Geld kommt mit einer Kreditvergabe und verschwindet wieder mit der Kreditrückzahlung. Das Geldvermögen mus  dann neue Schuldner finden. Darum bemüht sich die Bank”.

Es ist möglich, dass Brichta es nicht so gemeint hat. Aber so wie er es darstellt, ist der Missinterpretation die Tür geöffnet. Das ist schade, denn sein Buch mit seiner flott geschriebenen Diktion könnte bei einem breiten Publikum zur Aufklärung über unser Geldsystem beitragen. So aber hinterlässt es einen Geruch von Verschwörungstheorie.

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Hinweis:

Ernst Dorfner ist ein österreichischer Buchautor. Der vorliegende Beitrag wurde der Redaktion über unseren Service Gastbeitrag erstellen zur Veröffentlichung angeboten. Die Meinung des Autors muss nicht zwingend die Meinung der Redaktion widerspiegeln.

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