Inflationsschutzbrief – der geldsystemanalytische Börsendienst

Nur wer das Geldsystem wirklich versteht, kann die richtigen Anlageentscheidungen treffen!

Edelmetalle

Allgemeines zu Edelmetallen

Gold und Silber gelten seit jeher als Garanten für Werterhalt. Bis in die 1970er-Jahre konnte beispielsweise jeder US-Dollar zu einem festen Umrechnungskurs in Gold umgetauscht werden. Dieses als Goldstandard bezeichnete System von Bretton-Woods wurde 1944 festgelegt und galt jahrzehntelang als Grundlage eines funktionierenden Währungssystems in den wichtigsten Industrienationen. Seit Präsident Richard Nixon das Abkommen von Bretton-Woods im Jahr 1971 einseitig aufkündigte, ist der Goldpreis von Angebot und Nachfrage abhängig.

Thema Edelmetalle (Inflationsschutzbrief)Ob Edelmetalle wie Gold und Silber eine sinnvolle Geldanlage sind, kann nicht pauschal beantwortet werden, sondern hängt von dem Typ und Ziel des Anlegers, dem Zeitpunkt und von dem Zustand des Geldsystems ab. Tatsache ist: Im Gegensatz zu vielen Währungen wurden Gold und Silber in der Vergangenheit nie wertlos. Das liegt einerseits an der natürlichen Begrenzung der Ressourcen und daran, dass Edelmetalle immer einen gewissen Sachwert behalten.

Andererseits kann Geld beliebig durch die Zentralbanken gedruckt bzw. von den Geschäftsbanken aus Krediten erzeugt werden (siehe Geldschöpfung), wie nach dem Ende des Bretton-Woods Systems geschehen (siehe Geldsystem).

Die Kurse der Edelmetalle können aber erheblichen Schwankungen unterliegen. So fielen der Gold- und Silberpreis in der Zeit von Mitte 2012 bis Ende 2014 um ca. 35%. Zudem werfen Gold und Silber keine laufenden Erträge wie Zinsen oder Dividenden ab. Das bedeutet, dass die Rendite von Edelmetallen einzig und allein durch die Kursschwankungen bestimmt wird.

Kapitalanlage in Edelmetalle

Grundsätzlich gibt es zwei verschiedene Möglichkeiten in Edelmetalle zu investieren. Einerseits die Spekulation, die darauf setzt, dass die Preise möglichst stark steigen. Andererseits der Sicherheitsaspekt, der vor allem auf den Werterhalt des in Edelmetalle angelegten Vermögens abzielt, falls eine Krise das Wirtschafts- und Finanzsystem erschüttert. Anleger denen es um Sicherheit geht, sollten in physische Edelmetalle wie Gold und Silber (Barren und Münzen) investieren und dafür auch höhere Kosten in Kauf nehmen. Spekulanten sollten hingegen zu Wertpapieren wie Zertifikaten greifen, die über die Börse gehandelt werden.

Historie der Kapitalanlage in Edelmetalle

Ob eine Anlage in Edelmetalle sinnvoll ist, lässt sich leichter bewerten, wenn wir uns die historische Entwicklung ansehen. Die Vergangenheit zeigt, dass die Spekulation auf Edelmetallpreise eine Wette mit sehr ungewissem Ausgang ist. Zwischen 2001 und 2012 beispielsweise stieg der Kurs für eine Feinunze (31,1 Gramm) von etwa 290 Euro auf mehr als 1.300 Euro – ein Anstieg um fast das Fünffache. Es gab aber auch längere Perioden mit Verlusten: So büßte Gold von 1980 bis 1990 etwa die Hälfte seines Werts ein. Jedoch waren die Renditen von Gold und Silber in allen Krisen besser als die von Aktien. In der Hälfte der Fälle haben sich der Gold- und Silberpreis sogar deutlich erhöht. Lediglich während der russischen Finanzkrise 1998 sind die Verluste von Aktien und Edelmetallen vergleichbar gewesen. Edelmetalle haben deshalb zurecht den Ruf als Wertspeicher und sicherer Hafen in Finanzkrisen, weil sie eine gute Möglichkeit bieten, zumindest einen Teil des Vermögens zu erhalten. Seit 2008 befindet sich das Geldsystem in einer permanenten Krise, die sich weiter zuspitzt (siehe Geldsystem).

Die Historie zeigt aber auch, dass sich die Aktienbörsen von ihren Tiefständen immer wieder erholt haben. Anleger wären auf lange Sicht auch ohne Gold durch die Krisen gekommen. Aus diesem Grund halten wir beide Anlageklassen in die Anlagestrategien „Gesamtstrategie“ und „Vermögensaufbau“ einbezogen.

Edelmetalle im Portfolio

Wer aufgrund der seit 2008 herrschenden Dauerkrise des Geldsystems besorgt ist, dass das Vermögen einem großen Risiko ausgesetzt ist, sollte nicht auf eine Beimischung von Edelmetallen im Portfolio verzichten. Wie hoch diese Beimischung sein sollte, ist ein hart diskutierter Aspekt unter Experten. Die Spanne reicht meist von 5 % bis zu 25 % des Vermögens. Wir bewegen uns in Anbetracht des Zustands des Geldsystems und aufgrund der Konzeption unserer beiden Anlagestrategien „Gesamtstrategie“ und „Vermögensaufbau“ mit 50 % bzw. 70 % deutlich darüber. Wichtig bei der Kapitalanlage in Edelmetalle ist jedoch immer, dass der Anleger Eigentümer der Edelmetalle ist und auch Zugriff darauf hat.

Wichtig ist auch, wie sich Edelmetalle im Portfolio langfristig entwickeln. Es fällt auf, dass die Schwankungen von Edelmetallen wie Gold und insbesondere Silber höher sind als die von Aktien – und das bei einer geringeren Rendite. Kombiniert man jedoch beide Anlageklassen, so erhält man ein Portfolio, dessen Rendite geringer schwankt als bei einem reinen Aktien-Portfolio. Das bedeutet, dass sich Edelmetallkurse oft entgegensetzt zu den Aktienkursen bewegen und sich deshalb das Verhältnis von Rendite zu Kursschwankung verbessert. Über die letzten 40 Jahre hat es sich also auch langfristig gelohnt, Edelmetalle einem Aktien-Portfolio beizumischen.

Es gab jedoch auch Zeiten, in denen mehr Rendite hätte erzielt werden können, wenn Edelmetalle nicht beigemischt worden wären. Im Zeitraum von 1980 bis 1990 hat beispielsweise ein reines Aktien-Investment etwa 9 % pro Jahr abgeworfen, ein Portfolio mit 10 Prozent Edelmetall-Anteil nur 6 % pro Jahr. Damals war das Geldsystem aber noch vergleichsweise gesund, ein Zustand von dem heute keine Rede mehr sein kann.

Sinnvoll in Edelmetalle investieren

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, in Edelmetalle zu investieren. Man kann entweder Münzen und Barren in physischer Form kaufen oder in entsprechende Wertpapiere investieren, die an der Börse gehandelt werden. Bei Wertpapieren sollte jedoch immer darauf geachtet werden, dass ein tatsächlicher Anspruch auf die entsprechende Menge an physischen Edelmetallen besteht. Nur so können Anleger sicher sein, dass Edelmetalle auch wirklich als Wertspeicher funktionieren. Wichtig ist auch die Besteuerung. Je nachdem ob Wertpapiere oder physische Edelmetalle und welcher Anlagezeitraum gewählt wird, fallen entweder unterschiedliche oder keine Steuern an.

Physische Edelmetalle kaufen

Der Preis von physischen Edelmetallen richtet sich rein nach dem Gewicht der Barren und Münzen. Das Gewicht von Gold- und Silberbarren wird meist in Gramm angegeben und reicht von 1 Gramm bis hin zu mehreren Kilogramm, bei Münzen variiert das Gewicht meist zwischen einer Unze und einer Zehntel Unze. Die Preisunterschiede zwischen gleichschweren Münzen und Barren sind relativ gering, Barren sind aufgrund der einfacheren Herstellung und der Menge immer günstiger. Anleger sollten bei Gold- und Silberbarren immer auf die Reinheit, bei Gold von mindestens 999,9 Tausendstel, sowie auf eine Zertifizierung der Londoner Rohstoffbörse LBMA achten. Ansonsten kann es bei einem Verkauf der Barren zu Abschlägen kommen.

Edelmetalle richtig lagern

Die Lagerung von Edelmetallen ist ein heikles Thema. Schon eine kleine Menge an Gold ist beispielsweise so wertvoll, dass man kleine und relativ leichte Barren zu Hause verwahren und im Notfall auch transportieren kann. Ein Goldbarren mit einem Gewicht von 1 kg ist mehr als 30.000 Euro wert und nicht größer als ein handelsübliches Smartphone. Auch in einem Bankschließfach kann Gold gelagert werden, jedoch nicht ohne Risiko, wenn es im Zuge der Geldsystem-Krise zu einer Vermögensabgabe (wie in 2013 vom IWF gefordert – siehe Inflationsschutzbrief Ausgabe 14/2013) oder zu einem Goldverbot kommen sollte. Die Kosten für einen Banksafe sind mit etwa 40 Euro im Jahr moderat. Rechtlich gesehen ist das Schließfach Sondervermögen und somit bei einer Insolvenz des Geldinstituts vor dem Zugriff von Gläubigern geschützt. Sofern die Entscheidung für ein Bankschließfach ausfällt, sollte man seine Hausratversicherung prüfen, ob diese auch die Lagerung in einem Bankschließfach abdeckt. Bei Silber sieht es mit der Lagerung schon nicht mehr so einfach aus, denn aufgrund des geringeren Wertes wird wesentlich mehr Raum benötigt, weshalb ein Bankschließfach von vorn herein ausscheidet.

Steuern auf Edelmetalle

Ein Vorteil von physischem Edelmetallen ist, dass sie nicht der Abgeltungssteuer unterliegen, sofern eine Haltedauer von über 1 Jahr eingehalten wird. Danach ist jeder Verkauf steuerfrei. Allein durch die Steuerfreiheit von physischen Edelmetallen entsteht im Vergleich zu Wertpapieren auf Edelmetalle ein beträchtlicher Mehrgewinn, wenn die Kurse stark ansteigen!

Edelmetall-Depot

Eine sinnvolle Alternative zum Kauf von physischen Edelmetall-Barren sind Edelmetall-Depots. Dabei erwirbt der Kunde das Eigentum an den Edelmetall-Barren, die der Anbieter direkt im Auftrag des Kunden sicher in Tresoren einlagert. Rechtlich sind die eingelagerten Barren Sondervermögen der Kunden und somit im Falle einer Insolvenz des Anbieters vor dem Zugriff anderer Gläubiger geschützt. Die Kosten für ein Edelmetall-Depot sind in der Regel höher als die Lagerung im Bankschließfach. Einige Anbieter wie “Bulliondepot” verwahren die Edelmetalle in der Schweiz, um seine Kunden vor einem eventuellen Zugriff des deutschen Staates zu schützen. Im Gegensatz zu Deutschland war der Goldbesitz in der Schweiz in der Vergangenheit noch nie verboten. Dieser Service ist jedoch etwas teurer als eine Verwahrung in Deutschland.

Wo Edelmetalle kaufen

Anbieter gibt es viele, jedoch günstig sind nur wenige. Denn viele Anbieter belohnen sich selbst mit dem Verkauf von Kleinmengen durch enorme Preisaufschläge und versteckte Kosten. An der Börse werden verschiedene Wertpapiere gehandelt, deren Ziel es ist, die Entwicklung der Edelmetallpreise abzubilden. Die meisten werden als Zertifikate oder als Exchange Traded Commodities (ETC) angeboten. Bei beiden handelt es sich um Schuldverschreibungen, was bedeutet, dass der Kunde bei einer Insolvenz das eingesetzte Geld verlieren kann. Gerade in Finanzkrisen steigt jedoch das Insolvenzrisiko solcher Wertpapiere. Auch wird bei Verkauf häufig eine Auslieferung in physischen Edelmetallen ausgeschlossen. Das bedeutet, Kunden erhalten den Gegenwert nur in einer teilgedeckten Währung, die bereits unter einer steigenden Inflation leiden kann.

Einige Anbieter von ETCs werben damit, dass ihre Produkte ähnlich sicher seien wie physische Edelmetalle. Tatsächlich kauft der Kunde aber keine physischen Edelmetalle, sondern lediglich den Anspruch auf eine physische Auslieferung. Im Insolvenzfall muss der Anspruch dann gerichtlich durchgesetzt werden, was Zeit und Kosten verursacht. In vielen Verkaufsprospekten wird lediglich von „physisch hinterlegten“ Edelmetallen gesprochen. Das darf jedoch nicht mit dem Eigentum des Kunden an den Edelmetallen verwechselt werden, denn nur das vertraglich zugesicherte Eigentum garantiert einen Schutz vor dem Zugriff anderer Gläubiger. Wertpapiere auf Edelmetalle taugen deshalb ausschließlich zu kurzfristigen Spekulationen.

Insgesamt ist der Erwerb von Edelmetall-Wertpapieren nicht günstiger als der Erwerb und die Verwahrung von physischen Edelmetallen. Denn die Mehrkosten, die durch physische Edelmetalle entstehen, werden dadurch mehr als ausgeglichen, das Gewinne aus dem Verkauf von Wertpapieren der Abgeltungssteuer unterliegen.

Gold-Fonds und Goldminen-Aktien

An den Börsen werden auch Investmentfonds, sogenannte Edelmetall-ETFs angeboten. Die Besonderheit daran ist, dass sie mit physischen Edelmetallen besichert sind und rechtlich ein Sondervermögen darstellen. Das Problem ist jedoch, dass diese Produkte nicht in Deutschland zugelassen sind, da sie gegen die Richtlinien für Investmentfonds verstoßen. Diese Regeln besagen, dass der Besitz des Investmentfonds auf mehrere Positionen aufgeteilt werden muss und somit nicht nur aus Edelmetallen bestehen darf. Konnten Anleger diese Produkte früher noch über ausländische Börsen kaufen, ist das seit Inkrafttreten des Kapitalanlagegesetzes am 22. Juli 2013 nicht mehr möglich.

Aktien oder Aktienfonds von Goldminen-Betreibern werden oft als Alternative zum direkten Investment in Gold angesehen. Der Vorteil von Aktienfonds ist, dass sie als Sondervermögen gelten, weshalb Anleger im Insolvenzfall der ausgebenden Fondsgesellschaft geschützt sind. Historische Vergleiche haben gezeigt, dass der Goldpreis allerdings nur zu einem Bruchteil Einfluss auf die Kursentwicklung der Minengesellschaften hat. Der Großteil der Faktoren, die Einfluss auf die Börsenkurse nehmen, sind dem unternehmerischen Erfolg oder politischen Entwicklungen in den Ländern zuzrechnen, in denen die Gesellschaften Minen betrieben. Hinzu kommt, dass Minengesellschaften sich meistens gegen große Schwankungen des Goldpreises absichern, um ihre Wirtschaftlichkeit von der Börsenentwicklung abzukoppeln. Wir raten deshalb davon ab, Goldminenaktien und Goldminen-Fonds zu wählen, wenn in Edelmetalle investiert werden soll, denn die unternehmerischen Risiken sind für Anleger kaum einschätzbar.

Hinweis: Wir haben in unserer “Gesamtstrategie” seit 2010 ebenfalls ein Aktiendepot mit Minengesellschaften geführt, dass jedoch hinter unseren Erwartungen zurückgeblieben ist. Das Aktiendepot wird zwar innerhalb der Gesamtstrategie weitergeführt, jedoch steht der Zeitaufwand, der für die Analyse der Minengesellschaften aufgewendet werden muss, in keinem Verhältnis zu der Wertentwicklung, die in den letzten 5 Jahren erzielt werden konnte.

Mehr zu diesem Thema erfahren Anleger auf den Seiten “Anlagestrategien“, “Gesamtstrategie” und „Vermögensaufbau“!

Weitere Veröffentlichungen zum Thema Edelmetalle: