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EZB: Margin Call – kommt Helikoptergeld?

Muss die EZB im Rahmen ihrer Geldpolitik bald zu Helikoptergeld greifen, nachdem die Preise in der Eurozone im Februar überraschend deutlich gefallen sind? Die Inflationsprognosen der Europäischen Zentralbank haben sich bisher jedenfalls als nicht zutreffend erwiesen. Eine weitere Lockerung der EZB-Geldpolitik im März ist deshalb sehr wahrscheinlich.

EZB-Geldpolitik - kommt Helikoptergeld

EZB: Margin Call – kommt Helikoptergeld?

Die Preise in der Eurozone sind im Februar im Vergleich zum Vorjahresmonat um 0,2 Prozent gefallen, wie das Europäische Statistikamt (EUROSTAT) in Brüssel am Montag auf Basis vorläufiger Zahlen bekannt gab. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte noch im Dezember für 2016 eine Inflationsrate von 1,0 und für 2017 von 1,6 Prozent veranschlagt und blickt deshalb mit Sorge auf die fallenden Preise.

Für die anstehende Ratssitzung der EZB am 10. März dürften die Vorbereitungen für geeignete Gegenmaßnahmen bereits auf Hochtouren laufen. Denn die EZB muss einem Verfall der Preise auf breiter Front vermeiden, die leicht eine konjunkturelle Abwärtsspirale (Deflation) in Gang setzen kann, bei der Investitionen noch weiter zurückgestelllt, Löhne gesenkt und Kreditausfälle erheblich steigen würden.

Helikoptergeld: EZB-Geldpolitik erzeugt Deflation anstelle Inflation

Erwartete Geldpolitik der EZB

Als erstes wird erwartet, dass das Ankaufprogramm für Staatsanleihen ausgeweitet wird, bei welchem die EZB den Banken bisher Wertpapierkäufe von monatlich rund 60 Milliarden Euro abnimmt. Nach der ersten Ausweitung soll es mindestens bis Ende März 2017 laufen und dann ein Gesamtvolumen von 1,5 Billionen Euro betragen. Die EZB will damit die Banken anregen mehr Kredite zu vergeben, was die Konjunktur ankurbeln sowie die Inflation anheizen soll. Der positive Effekt dieser Maßnahme ist bisher jedoch kaum spürbar, wie wir vor einem Jahr bereits prognostiziert hatten, und dürfte gerade in Zeiten von Negativzinsen für Banken, hoher Verschuldung der privaten Haushalte und einer Zurückhaltung der klein- und mittelständischen Unternehmen bei Investitionen, nicht genug kreditwürdige und kreditwillige Schuldner zu den Banken treiben.

Als zweites dürfte die EZB die Strafzinsen für Banken, die Geld bei ihr parken, weiter verschärfen. Die Strafzinsen liegen derzeit bei minus 0,3 Prozent. Die EZB will damit zweierlei erreichen: Die Banken sollen einerseits mehr Kredite vergeben und ihren Kunden andererseits ebenfalls Negativzinsen auf Bankguthaben berechnen, damit die Menschen motiviert werden, das Geld lieber auszugeben und damit die Wirtschaft anzukurbeln.

Wofür die Menschen das Geld dann ver(sch)wenden, ist der Zentralbank dabei relativ egal. Diese Politik der Negativzinsen, kurz NIRP (Negative Interest Rate Policy), wird jedoch nicht den gewünschten Effekt haben, weil Negativzinsen dazu zwingen mehr zu sparen anstatt weniger! Schließlich geraten sämtliche konventionellen Ansparmodelle zur Altersvorsorge durch diese Geldpolitik ins Wanken. Eine an Überalterung leidende Gesellschaft wie in Deutschland, wird besonders unter dieser Geldpolitik leiden, und deshalb die Mehrheit der Bevölkerung gerade nicht zu mehr Konsum verführen können.

Die Menschen werden auch einen Großteil ihrer Bankguthaben lieber in Bargeld horten, um den Negativzinsen zu entgehen. Insofern ist es sehr wahrscheinlich, dass ein Bargeldverbot schneller kommen könnte als wir heute glauben. Denn wenn es nur eine Bargeld-Begrenzung für Zahlungen gäbe, so wie es die Politik derzeit für ganz Europa anstrebt, könnte gerade das Horten von Bargeld nicht verhindert werden.

Helikoptergeld wirkt gegen Deflation

Negativzinsen verschärften also die Gefahr einer Deflation anstelle die in einem Schuldgeldsystem benötigte Inflation zu erzeugen. Das dürfte aber die Notwendigkeit erhöhen, das sog. Helikoptergeld einzuführen, um den privaten Konsum auf breiter Front anzukurbeln. Zwar kann das Helikoptergeld auch zum Abbau von Schulden verwendet werden, was teilweise deflationär wirkt, jedoch dürfte der Konsum deutlich stärker und damit im Ergebnis inflationär wirken.

Spätestens wenn klar wird, dass auch die im März folgenden Maßnahmen der EZB nicht greifen und die Konjunktur weiter stagniert, wird Helikoptergeld noch stärker in den Fokus rücken als bisher. In verschiedenen eher neoliberal geprägten Medien wie der „Economist“, die „Financial Times“ und die „Neue Züricher Zeitung“ (NZZ) wird das Helikoptergeld bereits neben einer weiteren geldpolitischen Lockerung der US-Notenbank FED (QE4) als mögliche Ergänzung und Alternative betrachtet. Prof. Dr. Helge Peukert beschreibt die Gründe, die aus seiner Sicht für Helikoptergeld sprechen, in dem folgenden Video.

Interview zu den Vorteilen von Helikoptergeld der EZB

Medieninteresse an Helikoptergeld steigt

Diese Entwicklung ist positiv zu werten, denn sie zeigt, dass die Erkenntnis zunimmt, den privaten Konsum ankurbeln zu müssen, was mit einem direkten Instrument wie Helikoptergeld wesentlich effektiver zu realisieren ist, als mit einem indirekten Instrument wie QE, mit welchem im wesentlichen Staatshaushalte und Sozialausgaben finanziert werden. Wenn die Zentralbanken jedoch Geld direkt an die Bürger verteilen, anstelle damit Staatsschulden zu erwerben, dann würde das vor allem den Konsum der ärmeren Hälfte der Bevölkerung ganz erheblich ankurbeln. Infolge dessen würde auch die Investitionsneigung der Unternehmen und somit die Kreditvergabe der Banken steigen, und zwar unabhängig vom Zinssatz. Auch der Gründungsdirektor des Flossbach von Storch Research Institute, Prof. Dr. Thomas Mayer, befürwortet den Einsatz von Helikoptergeld durch die EZB. Hier weitere Beiträge zum Thema Helikopter-Geld.

Zusammenfassung:
Titel:
EZB-Geldpolitik wirkungslos - kommt bald Helikoptergeld?
Kurzbeschreibung:
Greift die EZB im Rahmen der Geldpolitik bald zu Helikoptergeld, nachdem die Inflation in der Eurozone im Februar 2016 überraschend deutlich gesunken ist? Eine weitere Lockerung der EZB-Geldpolitik im März ist jedenfalls sehr wahrscheinlich, um eine konjunkturelle Abwärtsspirale (Deflation) zu vermeiden. Experten sehen in Helikopter-Geld eine echte Alternative.
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