Inflationsschutzbrief – der geldsystemanalytische Börsendienst

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Bargeld: 500 Euro, 100 Dollar, 50 Pfund bald abgeschafft?

Bargeld: Kommt ein Bargeldverbot doch schneller als erwartet? Die EZB gab jüngst das Ziel bekannt, den 500-Euro-Geldschein abzuschaffen. Jetzt fordern Banker und der ehemalige US-Finanzminister Larry Summers, dass auch der 100-Dollar-Geldschein abgeschafft werden sollte. Es wird immer klarer, um was es dabei vorrangig geht, jedenfalls nicht um die Bekämpfung von Terrorismus, Kriminalität und Schwarzarbeit!

Bargeld: 500 Euro, 100 Dollar, 50 Pfund Geldscheine abgeschafft

Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) hat sich offensichtlich mit einer Mehrheit dafür ausgesprochen, im Rahmen ihrer Geldpolitik den 500-Euro-Geldschein bald abzuschaffen. EZB-Präsident Mario Draghi kündigte dieses Ziel vor dem Wirtschafts- und Währungsausschuss des Europa-Parlaments in Brüssel an, und rechtfertigte die Abschaffung des 500-Euro-Bargeldes damit, dass Kriminellen die Finanzierung von Straftaten dadurch erschwert würde. Die Abgeordneten, die vor allem die Interessen der Sparer im Blick haben, versuchte Draghi mit dem Argument zu beruhigen, dass Sparer doch nur auf den 200-Euro-Geldschein ausweichen müssten. Damit sei keine Verringerung der Menge an Bargeld verbunden, fügte der EZB-Präsident hinzu.

Bargeldverbot wirkt kaum gegen Kriminalität

Ein Bargeldverbot würde für die Bekämpfung der Kriminalität so gut wie gar nicht bringen, sagt hingegen der führende Ökonom für Schattenwirtschaft, Friedrich Schneider, von der Universität in Linz (siehe Video). Die von der EU-Kommission angestrebte „Obergrenze von 5000 Euro für Bargeld-Zahlungen würde die Schwarzarbeit nur um 1 – 2% senken“. Bargeldverbot ab welcher Grenze auch immer, sei nur eine „Scheinlösung“ , die leicht umgangen werden könnte, fügte Friedrich Schneider seinen Ausführungen hinzu (FAZ, 6.2.2016, S. 19).

Der Krieg gegen das Bargeld

Der ehemalige Chef des ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, stellt in der FAZ-Ausgabe vom 6.2.2016 auf Seite 20 unmissverständlich klar, dass es um Enteignung geht: „Es geht in Wahrheit um etwas ganz anderes als die Kriminalität von Kleinganoven. Es geht um den Wunsch der EZB, die Einlagenzinsen noch weiter in den negativen Bereich zu schieben“. Denn ohne Bargeld hätten alle Bürger keine Ausweichmöglichkeit mehr, und wären gezwungen, Negativzinsen auf ihre Bankguthaben hinnehmen zu müssen, was einer Enteignung gleichkommt.

Bargeld: Vergleich 500-Euro-Geldscheine in Umlauf 2008 und 2016Euro-Bargeld: Anteil Geldscheine in Umlauf

Allein die Abschaffung der 500-Euro-Geldscheine würde dazu führen, dass 28 Prozent der gesamten Bargeldmenge zukünftig in anderen Geldscheinen aufbewahrt werden müsste. Prof. Hans-Werner Sinn geht davon aus, dass die Kosten der Bargeld-Aufbewahrung in den Tresoren der Banken auf 250 Prozent steigen werde, was es ermögliche, den Strafzins für das von den Banken bei der EZB geparkte Geld von derzeit 0,3 Prozent auf 0,75 Prozent zu erhöhen. Hans-Werner Sinn: „Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Kunden der Banken dann auch Strafzinsen auf ihre Bankguthaben zahlen müssen, wie es jetzt schon in Einzelfällen beobachtet werden kann“. Am vergangenen Freitag hatte sich auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble offen dafür gezeigt, den 500-Euro-Geldschein in Deutschland abzuschaffen.

Bargeld: 500 Euro, 100 Dollar und 50 Pfund bald abgeschafft?

Kaum hatte die EZB die mögliche Abschaffung des 500-Euro-Geldscheins und ein Bargeldverbot ab 5.000 Euro öffentlich anklingen lassen, meldet sich Peter Sands, der ehemalige Manager der Bank Standard Chartered, einer der größten Geldinstitute Großbritanniens, mit der Forderung, die G-20-Staaten sollten sich vor dem nächsten Gipfel im September in China mit der Abschaffung der großen Geldscheine befassen.

Nicht nur der 500-Euro-Geldschein, sondern auch die 100-Dollar-Note, die 1.000 Schweizer Franken sowie die 50-Pfund-Note seien schließlich eher bei Kriminellen als bei normalen Bürgern zu finden. Schon deshalb sollten sie abgeschafft werden, so Sands. Er glaube jedoch nicht, dass mit der Abschaffung der größten Bargeld-Scheine, Geldwäsche, Schattenwirtschaft und Terrorismus vollends beseitigt werden könnten, so Peter Sands weiter. Stattdessen würden Kriminelle auf digitale Währungen, Gold oder die kleineren Geldscheine ausweichen. Konsequent wäre daher, so Sands, gleich auch den 200-Euro-Geldschein abzuschaffen. Statt für viele Einzelinitiativen macht sich Peter Sands für ein globales Abkommen stark, das den Umlauf von Geldscheinen über 50 Dollar oder Euro verbietet. Eine solches Bargeldverbot könnte bedeutsamer sein, als alles was die G7 oder G20 in den letzten Jahren verabschiedet haben.

In einer 64seitigen Studie begründen Peter Sands und weitere Autoren, warum es sinnvoll wäre, Geldscheine mit einem Nennwert von 500 Euro, 100 Dollar, 1.000 Schweizer Franken sowie 50 Pfund abzuschaffen. Den wichtigsten Punkt jedoch, die Enteignung der Bankguthaben sucht man in dieser Studie vergeblich.

Nicht einmal 24 Stunden nachdem Peter Sands seinen Appell an die Politik öffentlich machte, berichtete die Washington Post über den ehemaligen US-Finanzminister Larry Summers, der es für höchste Zeit halte, den 100-Dollar-Geldschein abzuschaffen. Larry Summers, hatte schon in 2013, als einer der ersten Ökonomen, die Idee der Bargeld-Abschaffung öffentlich angesprochen. Damals ging es erstmals um eine mögliche Einführung von Negativzinsen bei den Zentralbanken. Die Forderung von Larry Summers nach Negativzinsen, die in 2013 noch als völlig unrealistisch galt, wurde mittlerweile von vielen Zentralbanken der Welt umgesetzt – zuletzt in Japan. Ein schlechtes Omen für Bargeld?

Der wichtigste Grund für ein Bargeldverbot

Im Unterschied zum 500-Euro-Geldschein, der nur 28 Prozent des umlaufenden Euro-Bargelds ausmacht, beträgt der Anteil des 100-Dollar-Geldscheins satte 78 Prozent der umlaufenden Dollar-Bargeldmenge in den USA. Ein Bargeldverbot für den 100-Dollar-Geldschein würde es somit auf einen Schlag ermöglichen, einen Großteil der US-Bargeldmenge in minderwertige Bankguthaben umzuwandeln.

Es ist mehr als offensichtlich, dass zwischen der Einführung von Negativzinsen in Europa und Japan, der Begrenzung von Bargeld-Zahlungen und der Forderung, große Bargeld-Scheine global abzuschaffen, ein direkter Zusammenhang besteht. Denn eine Bargeld-Einschränkung bzw. ein Bargeldverbot machen es der Politik einfach, die Bürger zu enteignen und damit die durch das Geldsystem erzeugte Überschuldung abzubauen.

Zusammenfassung:
Titel:
Bargeld: 500 Euro, 100 Dollar und 50 Pfund bald abgeschafft?
Kurzbeschreibung:
Bargeld: Kommt ein Bargeldverbot früher als erwartet? Neben der Abschaffung des 500-Euro-Geldscheins durch die EZB werden Forderungen laut, größe Geldscheine wie die 100-Dollar-Note generell abzuschaffen! Zu den Befürwortern gehört der frühere US-Finanzminister Larry Summers!
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Inflationsschutzbrief © 2016
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Maya
Gast

der Finanz Crash , welcher längst da ist, kommt meiner Prognose nach hier real dieses Jahr ab Mai ….. Juli 2016 …. an ….. ich bin gespannt da ja Bargeld JETZT nur noch bis 5000 Euro abgeholt werden kann soweit ich das vernahm…..die Prognose beruht auf andere Begebenheiten …. ich bin gespannt …. das system muss brechen…..für einen neuen Anfang dieser Gesellschaft und einer Zukunft ohne Unrecht ….. die neue Weltordnung wenn dann im Frieden und nicht der Mächtigen wegen …..

Der Zwerg
Gast

Der einzige Grund, warum es keine negativen Zinsen für Normalbürger gibt ist, dass sonst jeder zu seiner Bank rennen würde, um sein Geld aubzuheben und dies dann das Bankensystem auffliegen lassen würde. Negative Zinsen gibt es also erst dann, wenn vorher das Bargeld abgeschafft wurde.

Mirco1205
Gast

Und jetzt wirds ernst, für den kleinen Mann wurde ja schon Silber durch die MwSt. uninteressant gemacht. Gold wird folgen, wenn denn nicht sogar ein Bargeld und Goldverbot einhergeht. In einem Punkt haben die Verantwortlichen aber Recht, den 500er braucht niemand. Ich würde da wie die USA ab 100 Schluss machen. Wenn ich dann Bar ein Auto für 10.000 kaufen möchte, dann halt mit 100ern.

Robbi Tobbi
Gast

Man muss nicht immer das aus dem Blickwinkel der Politiker sehen die meinen das sie verschiedene Straftaten verhindern. Sondern betrachtet es mal so. POLITIKER können dadurch keine Schwarzgelder, Schmiergelder, Parteispenden und ihre sonstigen Einkummen mehr vertuschen da auch sie gläsern werden. So kann man jederzeit nachverfolgen woher und wieviel der werte Politiker sein Geld hat.

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