Inflationsschutzbrief – der geldsystemanalytische Börsendienst

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US-Aufschwung: 23% Arbeitslosenquote 15% brauchen Essensmarken

US-Arbeitslosenquote auf Rekordtief? Der Aufschwung in den USA soll die Arbeitslosigkeit im Februar 2016 auf den niedrigsten Stand seit acht Jahren gedrückt haben. Die Arbeitslosenquote lag nach offiziellen Angaben der US-Regierung bei nur 4,9 Prozent. Auch die Anzahl der neu geschaffenen Jobs soll 20 Prozent über den Erwartungen liegen. Obwohl unter 5 Prozent quasi Vollbeschäftigung herrscht, beziehen 47 Millionen Amerikaner aus Armut weiterhin Essensmarken. Wie passt das mit der niedrigen Arbeitslosenquote zusammen?

US-Aufschwung: 23% Arbeitslosenquote 15% brauchen Essensmarken

USA: 4,9% offizielle Arbeitslosenquote

Der US-Arbeitsmarkt boome noch stärker als erwartet und eröffne der US-Notenbank (FED) Spielraum für weitere Zinserhöhungen, heißt es in der Mainstream-Presse. Mit 4,9 Prozent liege die Arbeitslosenquote auf dem niedrigsten Niveau seit acht Jahren. Die Zahl der neuen Stellen soll im Februar sogar um weitere 242.000 gestiegen sein, wie am Freitag in Washington offiziell bekannt gegeben wurde. Ökonomen hatten lediglich mit 190.000 neuen Jobs gerechnet. Lediglich die Stundenlöhne seien um 0,12 Prozent zurück gegangen, obwohl mit einem Anstieg von 0,2 Prozent gerechnet worden war. An den Börsen wurde diese vermeintlich guten US-Arbeitsmarktdaten freundlich aufgenommen und ließen Aktien und den Dollar steigen.

Offizielle und wahre US-Arbeitslosenquote

Der US-Ökonom und ehemalige Finanzminister unter Ronald Reagen, Paul Craig Roberts, der später auch Mitherausgeber des Wall Street Journals war, hat der Obama-Regierung, wie viele andere Ökonomen vor ihm, schon mehrmals vorgeworfen, die Arbeitslosenzahlen massiv zu schönen um einen wirtschaftlichen Aufschwung zu propagandieren, den es in Wahrheit gar nicht gibt. Das ergebe sich schon daraus, dass aktuell rund 47 Millionen US-Bürger, also 15 Prozent der Gesamtbevölkerung, auf Essensmarken bzw. Lebensmittelmarken aus dem SNAP (Supplemental Nutrition Assistance Program) angewiesen sind. Soll das ein Aufschwung sein?

US-Aufschwung nur Propaganda

4,9 Prozent offizielle Arbeitslosenquote wäre ein wirklicher Triumph für die Obama-Regierung, jedoch steckt hinter der angeblichen Erfolgsgeschichte nur ein simpler statistischer Rechentrick. Denn wie Paul Craig Roberts erklärt, wird für die offizielle Arbeitslosenquote die Kennziffer U.3 verwendet, bei der nur Arbeitssuchende gezählt werden, die sich in den vergangenen vier Wochen um einen Job bemüht haben. Eine solche Grundlage zur Ermittlung der Arbeitslosen zeigt, in welcher Verfassung die USA in Wahrheit sind!

Betrachtet man hingegen schon die Kennziffer U.6, die Jobsuchende zählt, die bereits seit einem Jahr nach einem Job suchen, liegt die Arbeitslosenquote schon bei über 10 Prozent. Wie aussagekräftig die offiziellen Zahlen des US-Arbeitsmarktes sind, zeigt sich insbesondere daran, dass Langzeitarbeitslose, die länger als ein Jahr ohne Job sind, in der offiziellen Statistik überhaupt nicht mehr berücksichtigt werden. Zwar unterschlägt der Arbeitsmarktbericht der US-Regierung schon seit dem Jahr 1994 die Anzahl der Langzeitarbeitslosen, seit der Finanzkrise in 2008 zeigt sich jedoch sehr deutlich, wie wichtig die Berücksichtigung der wahren Arbeitslosenquote ist, wenn man die tatsächliche Situation der US-Wirtschaft korrekt einschätzen und nicht von der Propaganda getäuscht werden will.

Wirkliche Arbeitslosenquote in den USA beträgt 23%

Auf der von Experten viel beachteten Analyseplattform shadowstats.com misst John Williams weiterhin mit der alten Methode, die alle Arbeitslosen berücksichtigt. Hiernach beträgt die tatsächliche Arbeitslosenquote in den USA satte 23 Prozent und weicht damit um 18 Prozent von der offiziellen Arbeitslosenquote erheblich nach oben ab. Seit 2009 betrug die wahre Arbeitslosenquote, infolge der Finanzkrise, nie weniger als 20 Prozent!

Offizielle und wahre US-Arbeitslosenquote 2/2016

Paul Craig Roberts kritisiert, dass die meisten der neu geschaffenen Jobs zudem im schlecht bezahlten Dienstleistungsgewerbe entstehen, weshalb junge Amerikaner häufig nur in der Gastronomie Jobs bekämen, was es nahezu unmöglich mache ohne einen Zweitjob finanziell über die Runden zu kommen und eine Familie zu ernähren. Hinzu komme die Anzahl der mehreren hundertausend Studenten, die ihre Ausbildung mit Krediten finanziert hätten, und wegen der schlechten bezahlten Jobs nach dem Studium völlig überschuldet seien.

Auf der anderen Seite gebe es mehr Arbeitsplätze nur noch im Lobbying, im Finanzsystem und bei den privaten Interessengruppen. Geld verdienen könne in den USA nur noch, wer im Bereich der Umverteilung von unten nach oben erfolgreich tätig sei, so Paul Craig Roberts.

Essensmarken als Folge der wahren Arbeitslosenquote

Anders als von der US-Regierung offiziell verkündet, verschlechtert sich die Lage in der Wirtschaft stetig. Seit 2007 gibt es in den USA, für Menschen zwischen dem 25. und 54. Lebensjahr, ganze vier Millionen Arbeitsplätze weniger. Mittlerweile leben zudem rund 47 Millionen US-Bürger, also 15 Prozent der Gesamtbevölkerung von 314 Millionen, von den Essensmarken aus dem Supplemental Nutrition Assistance Program (SNAP). Danach erhält jeder Bedürftige monatlich 150 bis 200 Dollar in Form von Essensmarken, die jedoch nur den Zugang zu qualitativ minderwertigen Lebensmitteln eröffnen.

Paul Craig Roberts ernüchternde Bewertung

“Dies ist eindeutig keine Volkswirtschaft mit Zukunft. Das würden Sie aber niemals erfahren, wenn Sie nur auf die klassischen Medien hören, oder den Wirtschaftsteil der New York Times oder des Wall Street Journals lesen. Wäre ich noch Redakteur beim Wall Street Journal, wäre der erbärmliche Zustand der US-Wirtschaft auf der ersten Seite.”

US-Arbeitslosenquote beeinflusst Präsidentschaftswahlen

Der Erfolg des US-Präsidentschaftskandidaten Donald Trump ist eine Folge der wirklichen Arbeitslosenquote von 23 Prozent und der 15 Prozent Essensmarken-Bezieher, weshalb es ihm mit Populismus und ohne politisches Programm zunehmend gelingt, die desillusionierten unteren Bildungsschichten in den USA als potentielle Wähler für sich zu gewinnen. Die gebildeteren Amerikaner unter den wirtschaftlichen Verlierern bevorzugen hingegen Bernie Sanders, der als einziger der aktuellen Präsidentschaftskandidaten die steigende Verschuldung als Rahmenbedingung des Geldsystems seit längerem glaubwürdig kritisiert, die für die Umverteilung von unten nach oben und damit für die hohe Arbeitslosenquote verantwortlich ist, und nicht nur in den USA seit der Finanzkrise massiv zugenommen hat.

Wenn die US-Notenbank (FED) nicht zu einer lockeren Geldpolitik zurückkehrt und Donald Trump der nächste US-Präsident wird, steht zu befürchten, dass der US-Kongress den Präsidenten autorisiert autonom Krieg führen zu können, um die USA – wie vor dem 2. Weltkrieg – aus der Schuldenfalle und einer drohenden Depression zu befreien. Wer daran zweifelt, sollte sich fragen, wieso Forschung und Industrieproduktion in den USA zu mehr als 20 Prozent auf Rüstungsgüter und Waffen ausgerichtet sind und seit 2002 immer mehr Geld in diesen Sektor fließt. Alle Ziele, die sich nicht durch andere Maßnahmen herbeiführen lassen, können so in letzter Konsequenz – zur Erhaltung des Dollar-Imperiums – militärisch erreicht werden!

Zusammenfassung:
Titel:
US-Aufschwung: 23% Arbeitslosenquote 15% brauchen Essensmarken
Kurzbeschreibung:
Ist die US-Wirtschaft seit 2008 wirklich in einem Aufschwung? Die Arbeitslosenquote in den USA soll im Februar 2016 nur 4,9% betragen haben, tatsächlich sind 23% der US-Bürger arbeitslos und 15% beziehen Essensmarken! Warum?
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Inflationsschutzbrief © 2016
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w. deckel
Gast

Ich finde es wirklich klasse, dass Sie sich all diese Mühe machen und die Informationen aufbereitet für uns präsentieren. Danke dafür.
Lg Danny

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