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Baltic-Dry-Index am Boden | Weltwirtschaftskrise und Börsencrash 2016?

Der Baltic-Dry-Index (BDI) misst die Frachtkosten von Rohstoffen auf den Weltmeeren und damit das Volumen des Welthandels zu einem frühen Zeitpunkt. Der BDI ist deshalb ein verlässlicher Frühindikator für den Zustand der Weltwirtschaft. In der aktuellen Abwärtsbewegung hat der Baltic-Dry-Index den historischen Tiefststand aus 1986 schon um 46 Prozent unterschritten. Ein Signal dafür, das in 2016 eine Weltwirtschaftskrise und ein massiver Börsencrash drohen?

Baltic-Dry-Index Vergleich DAX 1985-2016 - Weltwirtschaftskrise Börsencrash 2016?

Baltic-Dry-Index als Frühindikator bewährt

Den meisten Menschen ist der Baltic-Dry-Index bis heute nicht bekannt. Er ist jedoch für die Entwicklung der Weltwirtschaft und für Wirtschaftskrisen der wichtigste und zuverlässigste Frühindikator, wie aus der Grafik (Vergleich DAX – “Baltic Dry Index”) hervorgeht. Der Index wurde am 4. Januar 1985 erstmals unter dem Namen „Baltic Freight Index“ (BFI) mit einem Basiswert von 1.000 Punkten veröffentlicht. Die Umbenennung in „Baltic Dry Index“ (BDI) erfolgte am 1. November 1999. Am 31. Juli 1986 markierte der Baltic-Dry-Index mit nominal 554 Punkten seinen bis dahin tiefsten Stand. Seit dem Höchststand am 16. April 1985 mit 1.064 Punkten verlor er damit 47,9 Prozent. Ein Kapazitätsengpass an Massengutfrachtern ließ den Index bis zum 16. Mai 1989 um 216,1 Prozent auf 1.751 Punkte ansteigen.

Die globale Rezession 1990/91, ausgelöst durch den Sparkurs der US-Regierung unter George H. W. Bush, als Antwort auf den Schuldenmacher Ronald Reagan, führte zu einem Rückgang der Frachtraten. Am 11. Juli 1990 stand der Baltic-Dry-Index Index mit 1.056 Punkten 39,7 Prozent tiefer als am 16. Mai 1989.

Der Wirtschaftsboom Anfang der 1990er Jahre führte zu einem Anstieg der globalen Frachtraten zwischen 1992 und 1995 um 127,7 Prozent. 1994 wuchsen die weltweiten Exporte um 9,3 Prozent. Am 1. Mai 1995 markierte der Baltic-Dry-Index mit 2.352 Punkten ein Allzeithoch, das bis zum 12. September 2003 existierte.

Der Rückgang beim realen Wachstum des Welthandels 1995 auf 7,4 Prozent und 1996 auf 5,1 Prozent ließ die Frachtraten fallen. Am 25. September 1996 stand der Index bei 992 Punkten um 57,8 Prozent tiefer. Bis zum 24. März 1997 stieg er auf ein Zwischenhoch von 1.526 Punkten.

Mehrere regionale Wirtschaftskrisen (Asienkrise 1997/98, Russlandkrise 1998/99, Brasilienkrise 1999) ließen die Transporttätigkeit auf See einbrechen. Am 19. Januar 1999 wurde für den Index ein Wert von 777 Punkten ermittelt. Der Verlust seit dem 24. März 1997 betrug 49,1 Prozent. Die Erholung der Weltwirtschaft lies den Baltic-Dry-Index bis zum 3. November 2000 auf einen Stand von 1.762 Punkten steigen.

Baltic-Dry-Index während der Dotcom-Krise

Während der Weltwirtschaftskrise nach 2001, ausgelöst unter anderem durch das Ende des Booms in der IT- und Kommunikationsbranche (Dotcom-Blase) im März 2000, sanken die Frachtraten erneut. Am 7. November 2001 schloss der Index bei 843 Punkten und damit um 52,2 Prozent tiefer als ein Jahr zuvor.

Zwischen Herbst 2002 und Frühjahr 2008 stieg der Baltic-Dry-Index aufgrund eines enormen Bedarfs an Rohstoffen in der Volksrepublik China und Indien stark an. Am 9. Januar 2004 überwand der Index mit 5.046 Punkten erstmals die 5.000-Punkte-Marke. Bis 6. Dezember 2004 stieg der BDI auf einen Höchststand von 6.208 Punkten. Das Wachstum der weltweiten Warenausfuhr ging zwischen 2004 und 2005 um 3,2 Prozent zurück, was dazu führte, dass der Index bis zum 3. August 2005 um 71,9 Prozent auf 1.747 Punkte einbrach.

Die Zunahme der Nachfrage nach Transportleistungen aus Asien und das anhaltende Wachstum der Wirtschaft dort, ließen den BDI anschließend erneut stark ansteigen. Am 10. Oktober 2007 überwand der Index mit 10.218 Punkten erstmals die Grenze von 10.000 Punkten. Am 20. Mai 2008 markierte er mit 11.793 Punkten ein Allzeithoch. Seit dem 3. August 2005 entspricht das einem Zuwachs von 575,0 Prozent.

Baltic-Dry-Index während der Finanzkrise

2008 wirkte sich die internationale Finanzkrise massiv auf die Realwirtschaft aus. Der Welthandel brach um 12,1 Prozent bis Anfang 2009 ein, da die Finanzkrise zu einem Zusammenbruch des Interbankenmarktes führte und neue Handelsfinanzierungen erheblich erschwerte. Wegen der weltweit nachlassenden Konjunktur kam es vor allem ab Ende des dritten Quartals 2008 zu einem starken Rückgang der Frachtraten.

Am 5. Dezember 2008 sank der Baltic-Dry-Index mit einem Schlussstand von 663 Punkten auf den tiefsten Stand seit 1986. Seit dem Allzeithoch vom 20. Mai 2008 entspricht das einem Rückgang um 94,4 Prozent. Das war der historisch größte Einbruch des BDI. Im Verlauf des Jahres 2009 erholten sich die Frachtraten wieder und der Baltic-Dry-Index stieg bis zum 19. November wieder auf 4.661 Punkte. In den Jahren 2010 und 2011 sanken die Frachtpreise kontinuierlich.

Baltic-Dry-Index Februar 2016 - Weltwirtschaftskrise Börsencrash 2016

Historischer Tiefststand des Baltic-Dy-Index in 2016

Am 3. Februar 2012 schloss der Baltic-Dry-Index mit 647 Punkten nominal auf dem tiefsten Stand seit dem 27. August 1986. Der Verlust seit dem Allzeithoch am 20. Mai 2008 betrug 94,5 Prozent.

Nach einer Erholung auf 2.431 Punkte in 2013 begann ein zweijähriger Abwärtstrend, der mit 484 Punkten am 16. Dezember 2015 und mit 301 Punkten am 10.01.2016 neue historische Tiefststände markierte. Seit dem Allzeithoch am 20. Mai 2008, verzeichnet der Baltic-Dry-Index mit 97,6 Prozent seinen historisch größten Einbruch. In der seit 2013 anhaltenden Abwärtsbewegung hat der Index auch den seit 29 Jahren nicht unterschrittenen Tiefststand bei 554 Punkten aus dem Jahr 1986 mit 46 Prozent unterschritten. Der Index signalisiert damit, dass die Wirtschaftskrisen in einzelnen Schwellenländern in 2016 zu einer Weltwirtschaftskrise ausarten könnte.

Baltic-Dry-Index: droht eine Weltwirtschaftskrise in 2016

Hat sich der „Baltic Dry Index“ in der Vergangenheit einem historischen Tiefststand genähert oder gar einen neuen historischen Tiefststand ausgebildet, dauerte es nicht lange und die Weltwirtschaft geriet in die Krise. Insbesondere in 2001 und in 2008 hat er sich als zuverlässiger Frühindikator für Krisen bewährt. Gilt das auch für 2016?

Dass es in 2012 trotz historisch niedriger Stände des BDI nicht schon zu einer neuen Krise und zu einem Börsencrash kam, ist allein den Geldspritzen der Notenbanken zu verdanken. Wie ernst die Lage ist, kann der Bewetung des Internationalen Währungsfonds (IWF) entnommen werden, der kürzlich zum dritten mal in Folge seine Prognose für das globale Wirtschaftswachstum nach unten korrigiert hat. Aus diesem Grund forderte der IWF die G20-Staaten dazu auf, ein weltweites Notfall-Programm zu starten, um die weltweite Konjunktur anzukurbeln die unter Deflation leidet (siehe Video). Siehe auch: Geldmenge steigt – trotzdem Deflation?

IWF G20-Gipfel globales Konjunkturprogramm Weltwirtschaft - Weltwirtschaftskrise Börsencrash 2016

Sollte die US-Notenbank (FED) nicht wieder zu einer lockeren Geldpolitik zurückkehren (QE4), müssen die Europäische Zentralbank (EZB) und die Bank von Japan (BOJ) die Geldschleusen weiter massiv öffnen und mehrere Billionen Euro in die Märkte pumpen, um eine Weltwirtschaftskrise und einen Börsencrash in 2016 verhindern zu können.

William White, der Vorsitzende des Review Committee der OECD, warnte kürzlich in einem Interview, dass die Munition zur Bekämpfung von Krisen inzwischen fast vollständig verschossen wäre. Die Schulden seien in den vergangenen acht Jahren überall in der Welt immer weiter gestiegen und hätten immer neue Rekordstände erreicht. William White: “In der nächsten Rezession wird offensichtlich werden, dass diese Schulden niemals mehr bedient oder zurückgezahlt werden können. Die Situation ist schlimmer als 2007.“ William White zeichnet damit ein denkbar schlechtes Bild der weltweiten Konjunktur, die bereits von 10 Experten-Prognosen für 2016 als kritisch eingestuft wurde. Vorsicht Deflation?

Zusammenfassung:
Titel:
Baltic-Dry-Index am Boden - droht 2016 eine Weltwirtschaftskrise und ein Börsencrash?
Kurzbeschreibung:
Der Baltic-Dry-Index, der zuverlässige Frühindikator für die Weltkonjunktur, ist auf ein historisches Tief gefallen. Der IWF fordert deshalb ein globales Programm zur Ankurbelung der Weltwirtschaft. Droht 2016 eine Weltwirtschaftskrise und ein Börsencrash?
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Inflationsschutzbrief © 2016
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Wilhelm E.
Gast

Der Baltic Dry Index zeigt die Verschiffungskosten an und damit indirekt auch die Warenmenge. Wäre wirklich eine steigende Warenmenge zu transportieren, würde auch der BDI steigen. Nachfrage und Angebot machen schließlich den Preis, die Warenmenge muss also gesunken sein!

Marktanalyst
Gast

Ehrlich gesagt, ich hätte mir nicht vorstellen können, dass der Baltic Dry Index (BDI) so tief fallen könnte. Anfang August 2015 stand der BDI noch bei 1.222 Punkten und seitdem ist er kontinuierlich gefallen. Natürlich ist der Baltic Dry Index auch vor dem großen Aktienmarkt-Crash 2008 gefallen, aber jetzt steht er bereits niedriger als während der gesamten Krise seinerzeit. Dies ist nur ein weiteres Indiz dafür, dass der globale Handel rapide abgenommen haben muss und dass 2016 ein »verheerendes Jahr« für die Weltwirtschaft wird.

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