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Countdown zum Börsencrash: Robert Shiller’s Crash-Indikator (CAPE)

Seit einem Jahr warnt Prof. Robert J. Shiller anhand seiner KGV-Analyse des S&P 500 vor dem Ende der Hausse an den US-Börsen und sieht einen Bärenmarkt bis hin zu einem Börsencrash nahen. Robert Shiller hat dazu erstmals offen gelegt, dass er mit der Analyse der CAPE-Werte, die Bärenmärkte der Vergangenheit mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit prognostizieren konnte. Behält Shiller mit seinem Crash-Indikator auch diesmal recht, so wie schon 2000 und 2007 als seinen Warnungen jeweils ein Börsencrash folgte?

Countdown Börsencrash: Robert Shiller Cape als Crash-Indikator

10.10.2017: Der US-Aktienmarkt ist gegenwärtig von stark steigenden Kursen und sehr geringer Volatilität gekennzeichnet. Was sagen diese vermeintlich widersprüchlichen Indizien über die Wahrscheinlichkeit aus, dass die Aktienkurse bald durch einen Bärenmarkt oder Börsencrash einbrechen und eine Rezession in den USA auslösen? Um diese Frage zu beantworten, muss man die Kurseinbrüche an den US-Aktienmärkten in der Vergangenheit empirisch analysieren, wie das Prof. Robert J. Shiller von der Yale-University getan hat.

Prof. Robert Shiller legt CAPE-Analyse erstmals völlig offen

Robert Shiller  konzentriert sich bei seiner Analyse der zukünftigen Entwicklung an den US-Börsen auf die größeren Kurseinbrüche in der Vergangenheit und verwendetet dazu die traditionelle 20-Prozent-Marke für Bärenmärkte, die er mit einem eigenen zeitlichen Rahmen in Bezug setzt. Laut seiner Definition liegt der Spitzenwert vor einem Bärenmarkt in dem letzten Aktienhoch eines Jahres, bevor die Aktienkurse in irgendeinem Monat des Folgejahres um 20 Prozent unter diesen Spitzenwert fallen. Wenn es eine fortlaufende Abfolge von Spitzenmonaten gab, zog Robert Shiller für seine empirische Analyse den letzten heran.

Unter Verwendung seiner monatlich ermittelten Daten des S&P Composite und ähnlicher Informationen stellte Shiller fest, dass es in den USA seit 1871 lediglich 13 Bärenmärkte gab. Die Spitzenmonate vor diesen Bärenmärkten traten in den Jahren 1892, 1895, 1902, 1906, 1916, 1929, 1934, 1937, 1946, 1961, 1987, 2000 und 2007 auf. Einige berüchtigte Kurseinbrüche an den US-Börsen, wie in den Jahren 1968-70 und 1973-74, hat er nicht einbezogen, weil es sich dabei um zeitlich längere Phasen und um stufenweise vollzogene Kursrückgänge handelte.

Robert Shiller erwartet Bärenmarkt bis hin zu einem Börsencrash

Nach der Ermittlung vergangener Bärenmärkte wertete Robert Shiller auch die Aktienbewertungen vor diesen Bärenmärkten aus, wozu er einen Indikator verwendete, den er und sein Harvard-Kollege John Y. Campbell im Jahr 1988 entwickelten, um langfristige Kursgewinne an der Börse zu prognostizieren. Dieses zyklisch adjustierte Kurs-Gewinn-Verhältnis (Cycle-Adjusted Price Earnings = CAPE-Ratio), auch als Shiller-KGV (bzw. Shiller PE Ratio) bezeichnet, wird ermittelt, indem man den realen (inflationsbereinigten) Aktienindex durch den durchschnittlichen Gewinn der letzten 10 Jahre dividiert, wobei über dem Durchschnitt liegende CAPE-Werte unter dem Durchschnitt liegende Unternehmensgewinne bedeuten. Shiller’s und Campbell’s Untersuchungen zeigten, dass der CAPE-Wert ein geeigneter Indikator ist, um reale Gewinne in einem Zeitraum von zehn Jahren vorherzusagen. Robert Shiller gab vor wenigen Tagen überraschend bekannt, dass er und Campbell bisher nie darauf hingewiesen hätten, wie gut die CAPE-Analyse Bärenmärkte tatsächlich prognostizieren kann.

Aktuell liegt der CAPE-Wert (Shiller-KGV) für den S&P 500 bei 31,09. Das ist der zweithöchste jemals ermittelte Wert. Tatsächlich lag das durchschnittliche Shiller-KGV zwischen 1881 und heute bei lediglich 16,4. Außerdem überschritt der CAPE-Wert in diesem langen Zeitraum den Wert von 30 nur in zwei Phasen, nämlich im Jahr 1929 und in den Jahren 1997-2002.

Die folgende Grafik zeigt das Shiller-KGV aus August 2016:

S&P 500 Shiller-KGV gibt George Soros recht

Die folgende Grafik zeigt das Shiller-KGV aus September 2017:

Shiller-KGV Shiller PE Ratio CAPE 9/2017

CAPE von Robert Shiller ein guter Börsencrash-Indikator

Das heißt allerdings nicht, dass nur ein hohes Shiller-KGV (CAPE) Bärenmärkte ankündigen kann, denn in den Spitzenmonaten vor verschiedenen Bärenmärkten der Vergangenheit lag das durchschnittliche Shiller-KGV nur bei 22,1. Überschritt der Wert aber einen Wert von 30, so wie seit einigen Monaten, kam es bisher immer zu einem Börsencrash. Dass der CAPE-Wert bisher ein treffsicherer Crash-Indikator war, hat Robert Shiller bewiesen, als er den Börsencrash von 2000/2001 (als die Technologie-Blase platzte) und den Börsencrash von 2007/2008 (als die US-Immobilien-Blase platzte) vorhersagte. Seit einem Jahr warnt Shiller vor einer neuen Blase. Nach Shiller’s Analyse gab es aber auch drei Bärenmärkte in den Jahren 1916 (während des Ersten Weltkriegs), 1934 (während der Großen Depression) und 1946 (während der Rezession nach dem Zweiten Weltkrieg), bei denen der CAPE-Wert unter dem Durschnittswert von 22,1 lag und trotzdem ein Bärenmarkt folgte.

Den Daten vor Robert Shiller zufolge, stiegen die realen Gewinne des S&P Composite-Index seit 1881 im Durchschnitt nur um 1,8 Prozent jährlich, während diese vom zweiten Quartal 2016 bis zum zweiten Quartal 2017 ganze 13,2 Prozent betrugen und damit um mehr als das 7fache über dem historischen Durchschnittswert liegen. Das ist deshalb interessant, weil es in der Vergangenheit in den Spitzenmonaten vor Bärenmärkten ebenfalls ein hohes Gewinnwachstum gab. Das liegt im Durchsnitt aller 13 Bärenmärkte der Vergangenheit bei 13,3 Prozent jährlich.

Das Gewinnwachstum vom zweiten Quartal 2016 bis zum zweiten Quartal 2017 liegt mit 13,2 Prozent nur noch 0,1 Prozent unter dem Durschnitt aller 13 Bärenmärkte der Vergangenheit. Das dieses hohe Gewinnwachstum bei Blasen an den Aktienmärkten vor allem auf den Rückkauf eigener Aktien zurückzuführen ist, hatten wir bereits in Teil 2 der Serie “Countdown zum Börsencrash” analysiert. Zum Vergleich: Das Gewinnwachstum der US-Unternehmen betrug vor dem sog. „Schwarzen Freitag“ am 25. Oktober 1929 sogar 18,3 Prozent, als es zu dem folgenreichsten, jemals verzeichneten Börsencrash kam. Das sollte aber nicht dazu verleiten anzunehmen, dass deshalb noch viel Luft nach oben ist, denn ein solches Gewinnwachstum ist aus verschiedenen Gründen heute so gut wie unmöglich.

Shiller bewertet hohe Börsenkurse und niedrige Volatilität als Gefahr

Ein weiteres wichtiges Indiz für einen nahenden Börsencrash ist, dass die durchschnittliche Aktienkursvolatilität gegenwärtig bei überaus niedrigen 1,2 Prozent liegt. Zwischen 1872 und 2017 liegt die durchschnittliche Volatilität (Kursschwankung) mit 3,5 Prozent fast drei Mal so hoch. Doch auch das heißt noch nicht, dass ein Börsencrash unmittelbar bevorsteht. Aber die Volatilität der Aktienkurse des S&P 500 lag nach Robert Shiller in dem Jahr, das den Spitzenmonaten im Vorfeld der 13 Bärenmärkte der Vergangenheit voranging, immer unter dem Durchschnitt, wobei der aktuelle Wert noch niedriger ist, als der Durchschnittswert in den Jahren vor den 13 Bärenmärkten, der bei 3,1 Prozent liegt. Im Spitzenmonat vor dem Börsencrash von 1929 betrug die Volatilität mit 2,8 Prozent mehr als doppelte im Vergleich zu heute.

Countdown zum Börsencrash hat längst begonnen

Zusammenfassend betrachtet erinnert der US-Aktienmarkt von heute sehr stark an die letzten Monate bevor es in der Vergangenheit zu Bärenmärkten kam, insbesondere aber an die Jahre 1929, 2000 und 2007, in denen jeweils ein Börsencrash mit mindestens 50 Prozent Kurseinbruch folgte. Trotzdem kann nicht mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass der nächste Börsencrash unmittelbar bevorsteht, auch wenn das hohe Shiller-KGV durchaus dafür spricht. Denn derartige Entwicklungen sind gerade in Bezug auf den Zeitpunkt schwer zu prognostizieren, und es gibt eine Reihe von Faktoren, die eine aufschiebende Wirkung haben können. Jedoch sollte die Analyse von Prof. Robert J. Shiller denen eine deutliche Warnung sein, die allzu optimistisch auf weiter steigende Kurse an den US-Börsen setzen. Denn dazu waren die seltenen Warnungen von Robert Shiller vor einem Börsencrash in den letzten 20 Jahren zu präzise, um sie einfach ignorieren zu können. Auch eine Reihe weiterer Gründe spricht für einen nahenden Börsencrash in 2017 / 2018  bzw. für eine deutliche Korrektur der Aktienkurse in den USA.

Alle Beiträge zu dieser Serie gibt es unter „Countdown zum Börsencrash

Zusammenfassung:
Titel:
Countdown Börsencrash: Robert Shiller's Crash-Indikator (CAPE)
Kurzbeschreibung:
Prof. Robert Shiller hat erstmals seine CAPE-Analyse offen gelegt. Wie vor 2000 und 2007 signalisiert sein Indikator erneut einen Bärenmarkt / Börsencrash.
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Inflationsschutzbrief © 2017
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