Inflationsschutzbrief – der geldsystemanalytische Börsendienst

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Heiner Flassbeck zu Ölpreis-Verfall | Konjunkturprogramm für USA?

Der Ölpreis ist seit Sommer 2014 um über 60 Prozent eingebrochen. Kann dieser massive Verfall wirklich nur das Anzeichen einer lahmenden Weltkonjunktur sein, oder kommt dieses Konjunkturprogramm den USA nicht zufällig zu Hilfe? Und was sagt Heiner Flassbeck zum Ölpreis-Einbruch?

Heiner Flassbeck | Ölpreis-Verfall | Konjunkturprogramm USA

In einem Artikel, erschienen auf Telepolis, kritisierte der bekannte Ökonom, Prof. Heiner Flassbeck, im Dezember 2014, viele Wirtschaftsredakteure der Mainstream-Medien, die den im Sommer 2014 einsetzenden Verfall des Ölpreises als Konjunkturprogramm für die Weltwirtschaft bezeichnet hatten. Die Kritik von Heiner Flassbeck war berechtigt, da der Ölpreis-Verfall kein Konjunkturprogramm für die Weltwirtschaft sein kann, wenn die größten Schwellenländer (BRICS), die 30 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung beisteuern, unter dem niedrigen Ölpreis leiden.

Heiner Flassbeck | Ölpreis-Einbruch | Konjunkturprogramm für USA

Jedoch – und diesen Punkt übersieht der von uns sehr geschätzte Heiner Flassbeck offensichtlich – ist der Ölpreis-Verfall sehr wohl ein Konjunkturprogramm, allerdings nicht für die Welt, sondern nur für die USA. Wie sich der niedrige Ölpreis global auswirkt, hat Heiner Flassbeck so begründet: „Die globale konjunkturelle Lage bleibt, wie sie ist, es gibt nur starke regionale Verschiebungen. Länder wie etwa Deutschland, die bisher sehr erfolgreich die Ölproduzenten mit anderen Gütern belieferten, verlieren tendenziell bei ihrer Exportnachfrage, Länder, die stärker auf ihre Binnennachfrage ausgerichtet sind und/oder hauptsächlich Industrieländerkunden und weniger Ölproduzenten unter ihren Exportnachfragern haben, gewinnen“.

Zu diesen Gewinnern gehören vor allem die USA, deren konjunktureller Aufschwung stark von der Binnennachfrage, also von dem eigenen Konsum abhängt, der durch den niedrigen Ölpreis und die dadurch steigende Kaufkraft stimuliert wird. Infolge dessen steigt das Wirtschaftswachstum und erlaubt es den USA aus der globalen Niedrigzinspolitik auszusteigen. In 2016 könnte es deshalb tatsächlich zu weiteren Zinserhöhungen der US-Notenbank FED kommen.

USA profitieren von dem niedrigen Ölpreis

Die Frage ist nun, gibt es eine Verbindung zwischen dem massiv gesunkenen Ölpreis und dem gestiegenen Wirtschaftswachstum der USA? Um diese Frage beantworten zu können, ist es wichtig, neben den rein volkswirtschaftlichen Zusammmenhängen, auch die Geopolitik im Blick zu behalten. Denn wenn die USA die führende Weltmacht bleiben will, muss sie den Status des Dollar als Weltleitwährung erhalten, um Handelbilanzdefizite in die Welt exportieren zu können, und ihre Wirtschaft muss Wachstum generieren, damit die Gläubiger der Weltleitwährung Dollar weiterhin Vertrauen schenken. Die USA werden ihre Geopolitik deshalb so ausrichten, dass diese Bedingungen wieder hergestellt werden. Denn infolge der Finanzkrise war sowohl die Dominanz des Dollar als auch die Stärke der US-Wirtschaft in Verbindung mit der hohen Staatsverschuldung der USA in Frage gestellt worden.

Mit den Interventionen im Nahen und Mittleren Osten haben die USA die Dollar-Dominanz behauptet, und in den Ländern, die ihr Öl nicht mehr in Dollar handeln wollten (Irak, Lybien und Syrien), einen Regime-Change durchgeführt. Ist es da wirklich so abwegig anzunehmen, dass der Ölpreis durch Absprache mit den Saudis und durch eine gelenkte Spekulationswelle an den Börsen künstlich nach unten gedrückt wurde, um die US-Wirtschaft anzukurbeln und gleichzeitig die Wirtschaft Russlands und anderer Schwellenländer, die von Rohstoffexporten abhängig sind, zu schwächen?

Schließlich hatte der russische Präsident Wladimir Putin, als Antwort auf die Sanktionen des Westens im Zuge des Ukraine-Konflikts, im Jahr 2014 in St. Petersburg eine eigene Rohstoffbörse gründet, und seither Öl und Gas auch in Fremdwährungen gehandelt. Dieses Vorgehen Putins werteten die USA als direkten Angriff auf ihre Weltleitwährung Dollar, deren Existenz davon abhängt, das weltweit Öl mit Dollar bezahlt wird. Wladimir Putin wird in den westlichen Medien deshalb gezielt in die Rolle des Bösen gedrängt.

Dass der Verfall des Ölpreises ganz offensichtlich wie ein Konjunkturprogramm für die USA wirkt, ist auch aus der nachfolgenden Grafik ersichtlich, die zeigt, wie sich der Dollar zum Ölpreis entwickelt hat. Ein steigender Dollar ist immer ein Indiz für Wirtschaftswachstum in den USA!

Ölpreis vs. US-Dollar | Ölpreisverfall wirkt wie ein Konjunkturprogramm für die USA

Wurde der Ölpreis durch Spekulationen gedrückt?

Nachdem das westliche Finanzsystem zu über 60 Prozent von den USA und zu 30 Prozent von Großbritannien dominiert wird, und durch viele Beispiele bereits bewiesen wurde, dass Zinsen sowie die Preise von Aktien und Rohstoffen erheblich durch Spekulation beeinflusst werden, ist es mehr als offensichtlich, dass auch der Ölpreis an den Börsen gelenkt werden kann. Heiner Flassbeck kam in einem interessanten Beitrag auch zu dem Ergebnis: „Mit physischem Angebot und der konkreten Nachfrage nach Öl und nach Ölprodukten hat die jetzige Preisentwicklung praktisch nichts zu tun.“ Damit will Heiner Flassbeck zum Ausdruck bringen, dass der Ölpreis vor allem durch die Spekulation mit Derivaten bestimmt wird.

Ölpreis: Die unheilige Allianz

Neben der Kausalität, dass der Ölpreis-Verfall gerade zu dem Zeitpunkt einsetzte, als die US-Wirtschaft dringend einen Aufschwung brauchte und Russland sich vom Dollar abwendete, spricht auch das Verhalten der Saudis für eine gelenkte Ölpreis-Senkung, denn trotz sinkender Nachfrage und einem bereits gefallenen Ölpreis, hat die OPEC, die von Saudi-Arabien dominiert wird, die Öl-Förderquoten weiter angehoben und damit zusätzlichen Druck auf den Ölpreis ausübt.

Niedriger Ölpreis kein Angriff auf Fracking in USA

Die Mainstream-Theorie, wonach die Saudis die Öl-Förderung durch Fracking in den USA mit einem niedrigen Ölpreis unwirtschaftlich machen wollen, ist total abwegig, denn zwischen den USA und Saudi-Arabien gibt es seit 1973 eine unheilige Allianz, von der beide Seiten profitieren. Die USA schützen Saudi-Arabien militärisch, im Gegenzug dafür wird der Ölhandel der OPEC in US-Dollar abgewickelt. Dass diese unheilige Allianz fortbesteht, geht nicht nur aus den anhaltenden Waffenlieferungen der USA an Saudi-Arabien hervor, sondern auch daraus, dass Saudi-Arabien mit der Türkei jüngst eine militärische Allianz für den Nahen Osten gebildet hat, die ohne die Zustimmung der USA niemals zustande gekommen wäre. Schließlich ist die Türkei Mitglied der NATO, die von den USA beherrscht wird.

Durch die Kontrolle von Syrien und dem Irak sowie der dortigen Öl-Vorkommen, können die Saudis ihre Ölreserven zukünftig wieder ausbauen. Saudi-Arabien hat aber noch ein anderes Interesse, weshalb es einen niedrigen Ölpreis akzeptiert: Die Saudis wollen den Iran, ihren alten Erzrivalen schwächen, um die eigene Vormachstellung im Mittleren Osten zu sichern. Denn der Iran wird nach Beendigung der Saktionen durch den Westen versuchen, in der Region wieder mehr Einfluss zu gewinnen. Sollte dadurch ein größerer Konflikt zwischen Saudi-Arabien und dem Iran entstehen, könnte der Ölpreis seine Talfahrt beenden und wieder deutlich steigen.

Es ist auch nicht unwahrscheinlich, dass die saudischen Hedgefonds, bereits deutlich vor der Anhebung der Fördermengen durch die OPEC, Wetten auf den fallenden Ölpreis platziert haben, um damit ihre Verluste auszugleichen. Die jüngsten Meldungen, wonach Saudi-Arabien den Staatshaushalt kürzen müsse, weil es unter den sinkenden Öleinnahmen leidet, erscheinen schon deshalb nicht sehr glaubwürdig, weil die Saudis den Ölpreis-Verfall selbst angeheizt haben (siehe Video).

OPEC erhöht Öl-Fördermenge - Ölpreis fällt

Jens Berger glaubt nich an den gelenkten Ölpreis-Verfall

Jens Berger von den „Nachdenkseiten“ wendet gegen solche Thesen ein, dass sowohl die Finanzbranche als auch die Ölindustrie kein Interesse an einem fallenden Ölpreis hätten, weil so viele laufende Finanzierungen u. a. im Bereich des Fracking und die Wirtschaftlichkeit vieler Offshore-Öl-Projekte gefährdet wären. Diese Einschätzung von Jens Berger greift jedoch zu kurz, denn der Ölpreis-Verfall ist nur ein temporäres Problem und alle Banken sichern sich ebenso wie die Ölkonzerne gegen immer wiederkehrende Schwankungen mit Derivaten ab. Aus der Kursentwicklung des Dollar zum Ölpreis (siehe Grafik oben) ist das auch ableitbar.

Es ist im Gegenteil sogar so, dass die Wall-Street hohe Volatilität liebt, denn damit lässt sich das meiste Geld verdienen. Nicht ohne Grund wird unser heutiges Finanzsystem deshalb als Casino-Kapitalismus bezeichnet! Ob man nun soweit gehen möchte, zu glauben, dass mit der 90 prozentigen Kontrolle über das westliche Finanzsystem, durch anglo-amerikanische Finanzgruppen, große Schwankungen sehr häufig gezielt ausgelöst werden, und von einem freien Markt deshalb keine Rede sein kann, bleibt jedem selbst überlassen!

Davon abgesehen wurde der Ölpreis im Rahmen der US-Geopolitik bereits in den 1980er Jahren, unter Präsident Ronald Reagen in Kooperation mit Saudi-Arabien, schon einmal künstlich niedrig gehalten, um die Sowjetunion wirtschaftlich zu Fall zu bringen, was damals auch gelang! Warum sollten die USA also dieses bewerte geopolitische Mittel nicht erneut einsetzen, wenn sie damit gleichzeitig Wladimir Putin stürzen, die Schwellenländer schwächen (die konkurrierende Institutionen zu IWF und Weltbank aufbauen) und der eigenen Wirtschaft ein Konjunkturprogramm verschaffen können?

Ignoriert Heiner Flassbeck das Konjunkturprogramm für die USA?

Ist Heiner Flassbeck der Frage, ob der niedrige Ölpreis ein Konjunkturprogramm für die USA ist, bewusst ausgewichen, um sich nicht angreifbar zu machen? Immerhin stellte er in dem o. a. Beitrag auf Telepolis doch fest, dass weder die Weltwirtschaft noch Deutschland davon profitieren, weshalb sich die Frage, wer stattdessen profitiert, geradezu aufdrängt.

Wer wie Heiner Flassbeck eine eigene Webseite mit so hohem Engagement betreibt, um seine Positionen umfassend zu begründen, damit mehr Öffentlichkeitswirksamkeit zu erzeugen und sich vom Mainstream abzukoppeln, sollte – und das ist unser Appell an Heiner Flassbeck – seine makroökonomische Bewertung hin und wieder auch mit geopolitischen Zusammenhängen verbinden (sofern diese als gesichert gelten), denn dadurch lassen sich einerseits viele Thesen des Mainstream leichter widerlegen und andererseits die eigenen Thesen leichter begründen. Zumal Heiner Flassbeck selbst immer wieder kritisiert, die Volkswirtschaftslehre möge über den Tellerrand der eigenen Modelle hinausblicken!

Hinweis: Einige Bewertungen in diesem Beitrag sind nicht lückenlos beweisbar, die Kausalität verschafft diesen Bewertungen jedoch eine relativ hohe Wahrscheinlichkeit.

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