Inflationsschutzbrief – der geldsystemanalytische Börsendienst

Nur wer das Geldsystem wirklich versteht, kann die richtigen Anlageentscheidungen treffen!

Thomas Mayer: Die Fehler der Wirtschaftswissenschaftler

Prof. Dr. Thomas Mayer, Gründungsdirektor des Flossbach von Storch Research-Institute, ist davon überzeugt, dass viele Professoren der Wirtschafts- und Finanzwissenschaften nicht aus Fehlern lernen, und deswegen bestehende Theorien nicht hinterfragen. Neben Thomas Mayer haben das weitere Professoren wie Richard Werner und Bernd Senf ebenfalls heftig kritisiert.

Thomas Mayer: Fehler der Wirtschafts- und Finanzwissenschaftler

Prof. Dr. Thomas Mayer beschreibt in einem Beitrag auf der FAZ-Webseite, wie er kürzlich eine Konferenz besuchte, bei der eine neue Forschungsarbeit zu den Wirkungen der Niedrigzinspolitik der Zentralbanken zur Diskussion stand. Die Autoren der Forschungsarbeit analysierten die Entwicklung anhand des in der Wirtschafts-wissenschaft zum Standard erhobenen neokeynesianischen Modells.

Die Forschungsarbeit kam zu dem Ergebnis, dass die geldpolitischen Maßnahmen der Zentralbanken erfolgreich waren. Das bescheidene Wirtschaftswachstum und die anhaltend niedrige Inflation seien hingegen nur auf eine zu geringe Dosierung zurückzuführen, weshalb noch hohere Negativzinsen und noch mehr Wertpapierkäufe der Zentralbanken erforderlich wären. Thomas Mayer wurde gebeten sich zu dieser Analyse zu äußern und stellte die grundsätzliche Frage: Was wäre, wenn die Theorie falsch ist, auf der Diagnose und Therapie beruhen?

Die herrschende Lehre wird nicht hinterfragt

Thomas Mayer beschreibt auch den Ist-Zustand in akademischen Kreisen, in denen es verpöhnt ist, die herrschende Lehre in Frage zu stellen. Schließlich sei diese in akribischer Kleinarbeit und langanhaltender Diskussion gefestigt worden. Während der Entwicklung und Festigung wurden akademische Weihen erworben und Karrieren gemacht. Aus diesem Grund sei es verständlich, wenn von der herrschenden Lehre nicht abgerückt werde. Jedoch entsteht dadurch die Gefahr, so Mayer, dass diese Lehre mit Zähnen und Klauen auch dann verteidigt werde, wenn neuere Erfahrungen – wie die Folgen der Finanzkrise seit 2008 – erhebliche Zweifel an der Theorie wecken müssten.

Genau dies sei mit dem neokeynesianischen Modell in der Finanzkrise geschehen, die Thomas Mayer als Kreditkrise bezeichnet: Da der Kredit der Geschäftsbanken in diesem Modell keine Rolle spiele, hätten die Verfechter des Modells die Gefahren der Kreditausweitung übersehen, und deshalb auch die Krisenursachen nicht erkannt.

Nach diesem Misserfolg ging Thomas Mayer davon aus, dass nun die herrschende Lehre in Frage gestellt werden würde. Das geschah jedoch nicht! Zur Bewältigung der Krisenfolgen wurde deshalb auf die gleiche Lehre zurück gegriffen, durch welche die Krise ausgelöst worden war. Der Physiker Max Planck hatte das Phänomen, dem sich Thomas Mayer ausgesetzt sieht, schon vor vielen Jahren beschrieben:

Eine neue wissenschaftliche Wahrheit pflegt sich nicht in der Weise durchzu-setzen, dass ihre Gegner überzeugt werden können, sondern vielmehr dadurch, dass ihre Gegner allmählich aussterben.

Thomas Mayer: Die Fehler der Wirtschaftswissenschaftler

Die akademische Vorgehensweise ist diametral der Denkweise entgegengesetzt, die Thomas Mayer in mehr als zwei Jahrzehnten in der Finanzbranche kennengelernt hat. Jeder Akteur wird dort laufend mit seinen Irrtümern konfrontiert. Weil es unmöglich ist, sich nicht zu irren, geht es darum, wie man mit seinen Irrtümern umgeht. Das Erfolgsrezept sei so Mayer, sich so zu positionieren, dass die Verluste irrtümlicher Entscheidungen klein und die Gewinne richtiger Entscheidungen groß sind. In die Katastrophe führe, an einer Entscheidung festzuhalten und den Einsatz zu erhöhen, um ihn herbeizuzwingen, obwohl sie den erwarteten Gewinn vermissen lässt. Auf diese Weise hätten Händler ganze Banken in den Ruin getrieben.

Die Geldpolitik habe sich weitgehend der im akademischen Bereich vorherrschenden Lehre und Vorgehensweise verschrieben. Auch nach der Krise habe sie an der neokeynesianischen Lehre festgehalten und aus den unbefriedigenden Wirkungen ihrer Anwendung auf Wachstum und Inflation geschlossen, dass die Dosis erhöht werden müsse. Die Folgen davon waren niedrigere Zinsen und größere Bilanzsummen der Zentralbanken. Inzwischen könnten es sich die Verantwortlichen gar nicht mehr leisten, die Möglichkeit in Betracht zu ziehen, dass sie sich irren. Der Ansehensverlust wäre zu groß, so Thomas Mayer. Also würden sie lieber durchhalten bis sich der erhoffte Erfolg doch noch einstellt, viel wahrscheinlicher ist jedoch, das daraus ein Mißerfolg wird.

Thomas Mayer: “Pleiten schaden der Reputation nicht”

Neben der akademischen Lehre ist auch die akademische Reputation gegen praktische Misserfolge gefeit. Thomas Mayer beschreibt das an dem Beispiel der Nobelpreisträger Robert C. Merton und Myron Scholes, die in den 1990er Jahren in das Direktorium des Hedgefonds Long Term Capital Management (LTCM) einzogen. Die Umsetzung von Finanztheorien in Investitionsentscheidungen, für die Merton und Scholes ihre wissenschaftlichen Preise bekommen hatten, führte im September 1998 zur spektakulären Pleite dieses Fonds. Die Auswirkungen auf die Finanzmärkte waren so groß, dass die US-Notenbank FED im vierten Quartal 1998 ihren Leitzins um 0,5 Prozentpunkte senkte.

Die Herren Merton und Scholes verloren zwar viel Geld, nicht aber ihre akademische Anerkennung. Nach der LTCM-Pleite ging Merton an die Harvard-Universität zurück. Dort erhielt er im April 1999 die Auszeichnung für Lebensleistungen im Bereich der mathematischen Finanztheorie, deren Anwendung LTCM in die Pleite getrieben hatte. Scholes wurde wegen Steuerhinterziehung bei der LTCM-Pleite verurteilt, fand aber dank seiner akademischen Reputation wieder eine Beschäftigung im Finanzsektor. Die FED-Chefin, Janet Yellen, brauche wohl das Scheitern ihrer Geldpolitik nicht zu fürchten, wohin gegen das bei EZB-Präsident Mario Draghi anders aussehe, der weniger akademische Reputation besitze, schlussfolgert Thomas Mayer.

Quelle: FAZ: Der Fehler der Professoren

In unserem Beitrag “Warum die Volkswirtschaftslehre drohende Krisen niemals erkennt” haben wird das Problem, das auch Thomas Mayer jetzt öffentlich anprangert, anhand der Kritik von Prof. Richard Werner beschrieben. Wie Thomas Mayer ist Richard Werner nicht dem Mainstream der Wirtschaftswissenschaftler sondern der Minderheit der kritischen und zukunftsorientierten Ökonomen zuzurechnen. Richard Werner bewies 2014 in einer Studie die Kreditschöpfungstheorie und widerlegte damit die zwei weit verbreiteten Geldsystem-Theorien, Finanzintermediär-Theorie und Teilreserve-Theorie.

Nach unserer Einschätzung ist das Versagen der Wirtschaftswissenschaften auf eine Kombination aus mehreren Faktoren zurückzuführen. Auslöser dürfte die Finanzindustrie gewesen sein, welche die Geldschöpfung der Banken und damit die Funktionsweise des heutigen Geldsystems lange bewusst geheimgehalten und dabei erfolgreich Einfluss auf die akademische Lehre an den Universitäten genommen hat. Die Finanzindustrie hat nur solche theoretischen Modelle finanziell gefördert, die die Geldschöpfung der Banken bewusst ausblendeten. Hinzu kommt das von Thomas Mayer beschriebene Verhalten vieler Lehrbeauftragter und Professoren, die aus Gründen der Karriere, falschem Respekt, Ohnmacht, oder fehlender Eingnung zum Wissenschaftler, an der Weiterentwicklung der bestehenden Lehren kein Interesse haben.

Warum die Wirtschaftswissenschaft drohende Krisen nicht erkennt

Wenn eine Vielzahl von Wissenschaftlern den Forschungserfolg behindert statt ihn zu fördern, ist es wie bei allen Monopolen, sie brauchen Konkurrenz, wenn es keine anderen Möglichkeiten der Einflussnahme gibt. Eine offene und zukunftsorientierte Gesellschaft sollte deshalb Mittel und Wege finden Querdenkern den Zugang zu Wissenschaft und Forschung zu eröffnen. Der zweite Bildungsweg ist ein erfolgreiches deutsches Beispiel dafür.

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