Schwarzer Montag: Börsen bereits in Bärenmarkt?

Schwarzer Montag trotz Zinssenkung - Börsen in Bärenmarkt

Der letzte Montag war ein schwarzer Montag an den Börsen weltweit. Der Aktienhandel in den USA musste sogar zeitweise ausgesetzt werden, nachdem der Dow Jones Index in der Spitze um 7,76 % eingebrochen war. Und das obwohl die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) und die Bank von Kanada (BoC) wenige Tage zuvor die Zinsen um jeweils 50 Basispunkte (0,5%) gesenkt hatten. Warum sind die Börsen trotz dieser Zinssenkung weiter eingebrochen? Befinden sich viele Aktienmärkte möglicherweise bereits in einem Bärenmarkt?

Hat der Bärenmarkt bereits begonnen?

10.03.2020: Der Offenmarktausschuss der Fed (FOMC) hat am 03. März eine außerordentliche Zinssenkung von 50 Basispunkten (0,5%) beschlossen. Normale Zinsschritte sind 25 Basispunkte. Der Leitzins liegt in den USA dadurch aktuell in einer Bandbreite zwischen 1,0% und 1,25%. Der Zinsschritt wurde erforderlich, da kurz nach der letzten Sitzung am 29. Januar ein Run auf US-Staatsanleihen eingesetzt hatte, der die Renditen der langfristigen Staatsanleihen nach unten drückte. So fielen beispielsweise die Renditen der 10-jährigen US-Staatsanleihen von 1,60% auf 1,02%.

Hinter dieser Entwicklung stehen die immer deutlicher sichtbaren Belastungen für die Weltwirtschaft durch die Ausbreitung des Corona-Virus, die die Hoffnungen der Marktteilnehmer weitgehend zerstört haben, dass sich die in den Aktienkursen eingepreisten viel zu hohen Gewinnerwartungen (insbesondere bei der  Aktienblase in den USA)  noch realisieren lassen.

Schwarzer Montag trotz Zinssenkung

Die Gründe für einen erneuten schwarzen Montag in der Börsengeschichte waren aber mehrere belastende und in einem kurzen Zeitraum aufgetretene Umstände:

1. Die Zinssenkung der Fed (am 03. März um 0,5%) hat den Run auf US-Staatsanleihen nicht gebremst sondern beschleunigt. In nur drei Tagen sind die  Renditen der 10-jährigen US-Staatsanleihen von 1,02% um weitere 0,61% auf das historische Allzeittief von 0,41% gefallen.  Die Zinssenkung der Fed war also nicht ausreichend, um die Nachfrage nach Aktien zu erhöhen und/oder das Angebot an Aktien zu senken. Das Angebot an Aktien traf infolgedessen an diesem schwarzen Montag auf eine zu geringe Nachfrage an den Börsen, weshalb die Aktienkurse wie in der Vorwoche fielen.

2. Hinzu kam, dass am vergangenen Wochenende, durch die Ausbreitung des Coronavirus, eine weitreichende Quarantäne für ganz Norditalien verhängt wurde, welche die befürchteten Belastungen für die Weltwirtschaft weiter verstärkt haben, denn solche Maßnahmen könnten auch anderen Ländern wie den USA, Japan oder Deutschland drohen und dadurch die wirtschaftliche Entwicklung noch mehr beschädigen. Ein weiterer Grund für die schwache Nachfrage nach Aktien an diesem schwarzen Montag.

3. Der Hauptgrund für den schwarzen Montag war aber der Ölpreis-Schock, der dadurch ausgelöst wurde, dass sich die OPEC und insbesondere Saudi-Arabien nicht mit Russland auf eine Reduzierung der Ölfördermenge einigen konnte. Das ließ die Ölpreise am Montag in der Spitze um bis zu 30% einbrechen. Der stärkste Einbruch bei Öl seit 30 Jahren.

4. Diese Gemengelage hat für heftige Verwerfungen an den Finanzmärkten gesorgt und diesen Montag erst so richtig schwarz werden lassen: Der Volatilitätsindex (VIX) ist kurz nach dem Handelsbeginn in der Spitze spiegelbildlich zum Ölpreis-Schock um bis zu 30% von 41,9 auf 62,1 gestiegen und hat viele Spekulanten, die nach den Verlusten in der Vorwoche entweder auf einen weiter fallenden VIX oder auf eine Erholung der Aktienkurse gewettet hatten, kalt erwischt. Der VIX erreichte nur in der Finanzkrise mit 89,36 einen höheren Stand. Der anschließende Abverkauf drückte den Dow Jones bis zu 7,76 % und weitere US-Indizes sowie viele Börsen weltweit ähnlich tief ins Minus, nachdem das im Vergleich zur Vorwoche noch größere Angebot an Aktien auf noch weniger Nachfrage traf. Der Aktienhandel musste in den USA an diesem schwarzen Montag kurzzeitig sogar ausgesetzt werden, was zuletzt in der Finanzkrise und nach dem 11. September 2001 der Fall war.

5. Aus Angst vor einer Kettenreaktion an den Finanzmärkten pumpte die Fed, nach zuletzt 100 Milliarden Dollar, an diesem schwarzen Montag 150 Milliarden US-Dollar in den Repo-Markt. Der Fear & Greed Index, der zwischen extrem pessimistisch (0) und extrem optimistisch (100) schwankt, fiel trotzdem bis auf 3 zurück, was extrem niedrig ist und deutlich macht, wie gering die Nachfrage gegenüber dem Angebot an Aktien jedenfalls in den USA gewesen war.

Bullenmarkt oder Bärenmarkt

Was bedeutet ein schwarzer Montag nun für die Entwicklung der Börsen in den kommenden Wochen und Monaten? Der Montag wurde vor allem durch den überraschenden Ölpreis-Schock, dem ein VIX-Schock folgte, ein schwarzer Montag. Die Börsen dürften sich in dieser Woche etwas davon erholen, wenn sich die vorsichtigen nachträglichen Einigungssignale zwischen der OPEC und Russland bestätigen, und nach der Korrektur, durch die weiterhin bestehende Zinssenkungsphantasie, eine Gegenbewegung einsetzt. Diese Erholung wäre aber nur eine technische Gegenbewegung und keine Rückkehr in den alten Bullenmarkt!

Zinssenkung signalisiert Bärenmarkt

Die Wahrscheinlichkeit ist vielmehr hoch, dass sich die Aktienmärkte bereits in einem Bärenmarkt befinden und im Ergebnis weiter fallen werden, da Zinssenkungen um 50 Basispunkte (0,5%) zumindest in der Vergangenheit sehr oft in einem Bärenmarkt erfolgt sind. Und wie bereits unter 1. ausgeführt, war die Zinssenkung der Fed am 03. März um 50 Basispunkte zu gering, um einerseits den Run auf US-Staatsanleihen zu bremsen, sowie andererseits das Angebot an Aktien zu senken und/oder die Nachfrage nach Aktien an den Börsen zu erhöhen.

Es wird also mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit eine weitere Zinssenkung der Fed um 50 Basispunkte oder mehr geben. Und mehrere Zinssenkungen von 50 Basispunkten, die noch dazu in kurzer Zeit erfolgen, sind keine Signale für einen Bullenmarkt sondern für einen Bärenmarkt (siehe folgende Grafik). Denn wenn Anleger und Investoren statt in Aktien scharenweise in 10-jährige US-Staatsanleihen drängen, obwohl die kaum noch Rendite bringen, dann ist das ein klares Zeichen dafür, dass insbesondere die US-Aktienmärkte für überbewertet gehalten werden.

Zinssenkung der Fed um 50 Basispunkte - Bärenmarkt hat begonnen

Zinsstrukturkurve bestätigt Bärenmarkt

Die aus dem negativen Bereich steil in den positiven Bereich ansteigende Zinskurve, aus den Renditen der 10-jährigen abzüglich der 3-monatigen US-Staatsanleihen, trat  immer kurz vor Beginn einer Rezession in den USA auf  (Beispiele in nachfolgender Grafik). Dieser Effekt kann aber nur auftreten, wenn durch kurz aufeinander folgende Zinssenkungen, von 50 oder mehr Basispunkten, die kurzfristigen Zinsen schnell unter die langfristigen Zinsen fallen. Wie die vorherige Grafik zeigt, befand sich der S&P 500 Index in den Jahren 2000 und 2008, als die Zinsen in den USA jeweils stark gesenkt wurden, bereits in einem Bärenmarkt. Genau dieses Bärenmarkt-Phänomen sehen wir gegenwärtig wieder.

Bärenmarkt begonnen: Zinskurve steigt steil

In dem letzten Beitrag vom 27.02.2020 wurde ausführlich analysiert, dass  die Aktienblase in den USA zu platzen droht und warum. Die letzten 10 Tage legen aber die Vermutung nahe, dass der Bärenmarkt schon begonnen hat und diese Aktienblase bereits geplatzt ist!

US-Börsen: platzt die Aktien-Blase durch das Coronavirus?

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Zusammenfassung:
Titel:
Schwarzer Montag: Börsen bereits in Bärenmarkt?
Kurzbeschreibung:
Schwarzer Montag am 9. März 2020a an den Börsen weltweit: Aktienkurse brechen trotz Zinssenkung der Fed massiv ein. Hat der Bärenmarkt bereits begonnen?
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© 2020 Inflationsschutzbrief
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