Inflationsschutzbrief – der geldsystemanalytische Börsendienst

Nur wer das Geldsystem wirklich versteht, kann die richtigen Anlageentscheidungen treffen!

Finanzkrise ungelöst – quo vadis Goldpreis?

Seit 2012 fällt der Goldpreis auf Dollarbasis kontinuierlich. Nach einem Jahr Pause hat der Goldpreis jüngst die lange umkämpfte Marke von 1.200 Dollar/Feinunze unterschritten und am 24. Juli sogar die wichtige Marke von 1.100 Dollar/Feinunze nach unten durchbrochen. Wie geht es weiter mit dem Goldpreis, wenn in den Köpfen vieler Menschen die Finanzkrise weitgehend abgehakt ist, obwohl deren Ursachen nach wie vor ungelöst sind?

Gold und Goldpreis-Entwicklung ab 2015

Viele Menschen haben Edelmetalle wie Gold und Silber gekauft, um sich auf den Systemzusammenbruch vorbereiten. Zumindest ist bei vielen die Gefahr eines Systemzusammenbruchs zurecht ein sehr wichtiges Argument für physisches Gold und Silber. Jedoch sind diese Menschen in der Minderheit. Die größten Goldkäufer zwischen 2010 und 2012 waren Spekulanten, die nicht in physisches Gold oder Silber, sondern in Wertpapiere und Wettscheine (Derivate) investierten, sonst wäre der Goldpreis / Silberpreis in dieser Zeit nicht so massiv gestiegen. In den folgenden drei Jahren haben sich diese Spekulanten wieder von ihren Wertpapieren auf Gold / Silber getrennt, den Goldpreis / Silberpreis negativ beeinflusst und damit viele Menschen verunsichert, die die Probleme unseres Geldsystems in ihrer Komplexität nicht hinreichend verstehen. Video-Interview über Goldpreis-Entwicklung ab 2015 jetzt ansehen!

Warum physisches Gold und / oder Silber?

Wer noch Edelmetalle besitzt oder jetzt Edelmetalle kaufen oder verkaufen möchte, sollte sich folgende Frage stellen: Wenn sich in den letzten 25 Jahren einerseits die Menge des unproduktiven Geldes durch die Geldschöpfung der Banken mittels Kredit von 2 Billionen auf 600 Billionen US-Dollar (300fache) erhöht hat, wie soll dann die damit verbundene Verschuldung zurückgeführt werden, wenn die globalen Zinslasten heute bereits größer sind als das globale Wirtschaftswachstum? Wenn die Ursache des Problems die massiven Schulden sind, ist es dann für private Anleger sinnvoller den Großteil der Ersparnisse in schuldengedeckte oder schuldenfreie Vermögenswerte zu investieren?

Die Finanzkrise in 2008 hat es gezeigt: Die Preise von US-Immobilien waren durch Kredite über viele Jahre massiv gestiegen, und als sich nicht mehr genug Käufer fanden, platzte diese Blase, weil sie zu einem großen Teil nur durch ungedeckte Kredite, also durch Schulden gedeckt war. Die Finanzkrise ist bis heute ungelöst und wird nur mit neuer Verschuldung bekämpft, siehe Geldpolitik der EZB.

Physische Edelmetalle wie Gold und Silber sind schuldenfreie Vermögenswerte, weil ihr Gegenwert nicht durch Schulden gedeckt ist! Besitzer von Immobilien müssen sich da größere Sorgen machen, denn der Marktpreis von Immobilien ist zu einem erheblichen Anteil durch Schulden gedeckt, die ggfs. in sehr harten Zeiten erst noch erwirtschaftet werden müssen. Kommt ein Land in die Krise, steigt die Arbeitslosigkeit, so wie aktuell in vielen Ländern Europas. Wer von Arbeitslosigkeit betroffen ist, kann in der Regel seinen Immobilienkredit nicht mehr bedienen, so wie tausendfach in Spanien geschehen, das ungebrochen unter einer sehr hohen Arbeitslosigkeit leidet. Die Immobilienpreise können dadurch erheblich fallen!

Auch wenn die wirtschaftliche Lage Deutschlands gegenwärtig hervorragend ist, haften wir doch für alle Länder der Eurozone, nicht nur für Griechenland, dessen Schulden in diesem Jahr noch auf den ESM verlagert werden sollen. In Spanien, Portugal und Italien hat sich nicht wirklich etwas verbessert. In Frankreich hat sich die Lage sogar verschlechtert. Diese Länder werden bei anhaltend niedrigem Wirtschaftswachstum neue Schulden aufbauen, und dann gerät auch Deutschland durch seine Mithaftung in Schwierigkeiten. Immobilienbesitzer sollten sich deshalb bewusst sein, dass neben dem Risiko fallender Immobilienpreise, durch die sich ausweitende Verschuldung, auch das Risiko besteht, dass sich auf unbewegliche Immobilien viel leichter Zwangshypotheken eintragen lassen, als auf bewegliche Barren aus Gold und Silber zugegriffen werden kann, wenn diese nicht in Deutschland lagern. Zwangshypotheken auf deutsche Immobilien sind viel einfacher und effektiver als ein Goldverbot, wenn es notwendig werden sollte, die Bürger am Abbau der Staatsschulden zu beteiligen. Mehr dazu unter Edelmetalle.

Politiker und Notenbanker versuchen in der Zwischenzeit den Zusammenbruch des Finanz- und Geldsystems mit aller Kraft zu vermeiden, werden ihn jedoch nur hinausschieben können. Dafür muss man kein Pessimist sein, sondern nur die Fakten seit dem Ausbruch der Finanzkrise in 2008 betrachten und ein wenig rechnen können, denn die Herausforderung ist fast unlösbar. Notenbanken haben die Zinsen so tief gedrückt, wie es ihnen mit den aktuell zur Verfügung stehenden Mitteln möglich ist. Notenbanken mahnen Reformen und die Senkung der Staatsschulden an, doch es geschieht diesbezüglich zu wenig, weil die Bankenkrise dazu führt, dass diejenigen, die Kredite bräuchten, um die Wirtschaft in der gesamten Eurozone anzukurbeln, entweder bereits Schulden haben oder mangels Sicherheiten keine Kredite bekommen. Aus diesem Grund würgen die Zinslasten der Verschuldung aus den letzten 25 Jahren das Wirtschaftswachstum in Europa weitgehend ab. Mehr dazu unter Zinseszinseffekt. Die USA wie Europa leiden unter dem selben Problem – das Wirtschaftswachstum kann der Ausdehnung der Kreditgeldmenge seit Ende der 90er Jahre nicht mehr folgen, was zu Neuverschuldung und letzlich zu Überschuldung führt, siehe folgende Grafik: Geldmengenwachstum vs. Wirtschaftsleistung.

Geldmenge vs. Wirtschaftsleistung Europa USA

Was also bleibt nach politischer Lesart, um die Verschuldung abzubauen? Der Versuch intelligent zu sparen! Ein Sparkurs ist in Europa wie auch weltweit jedoch nur bedingt zu erkennen, da sonst das Wirtschaftswachstum abgewügt wird, mit dem die Zinsen bedient werden müssen. Deshalb wachsen die Schulden weiter, wodurch die bestehenden Schuldenberge noch schwerer abtragbar werden. Früher oder später führt das zwangsläufig zum Zusammenbruch. Die Notenbanken verschaffen den Regierungen nur eine Verschnaufpause. Einstweilen positiv ist daran, dass die Gnadenfrist durch die Notenbanken noch weiter verlängert werden kann. Auch wenn jederzeit ein Kollaps des Finanz- und Geldsystems möglich ist, sollten Edelmetalle wie Gold und Silber nicht nur deshalb und insbesondere nicht mit kurzem Anlagehorizont gekauft werden. Siehe Edelmetalle.

Die Notenbanken könnten jedoch in absehbarer Zeit in die Situation geraten, die Zinsen weiter in den negativen Bereich absenken zu müssen. Sie werden dieses Experiment wagen, um den Systemzusammenbruch zu vermeiden. Dann jedoch wird der Goldpreis steigen, was die Notenbanken auch vermeiden würden, wenn sie es könnten, um das Vertrauen in unser Geldsystem – trotz der massiv gestiegene Kreditgeldmenge in den letzten 25 Jahren – nicht weiter zu gefährden. Je negativer die Zinsen sind, desto höher steigt der Goldpreis.

Gold-Nachfrage gesunken

Der Goldpreis kämpft gegenwärtig auch mit einer global gesunkenen Nachfrage, wie das World Gold Council (WGC) in dieser Woche berichtete. Danach sei die globale Goldnachfrage im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um 12% auf ein 6-Jahrestief von 914,9 Tonnen gefallen. Alle Nachfragekomponenten waren dabei rückläufig, was darauf zurück zu führen ist, dass das Finanzsystem seit dem Ausbruch der Finanzkrise in 2008 bis heute nicht zusammengebrochen ist, viele Menschen die Vorteile physischer Edelmetalle nicht sehen, die Weltkonjunktur in 2015 lahmt und der Wirtschaftsmotor China stottert.

China und seine Goldreserven

Finanzkrise ungelöst – quo vadis Goldpreis? China Goldreserven, Gold und Goldpreis-Entwicklung trotz Finanzkrise?

Nach 2009 hat China im Juli 2015 erstmals wieder über die offizielle Höhe seiner Goldreserven Auskunft gegeben. Die staatlichen Goldreserven Chinas sind demnach auf 1.658 Tonnen und damit um 57% gegenüber 2009 gestiegen, sie waren jedoch viel niedriger als erwartet, weshalb viele Analysten an der Echtheit der Zahlen zweifeln. Es wird vermutet, dass China die Zahlen drastisch untertrieben hat. Wer günstig weitere Goldbestände aquirieren will, muss quasi so handeln. Große Ölkonzerne kaufen über die Türkei schließlich auch die vom Islamischen Staat (IS) in Syrien und im Irak erbeuteten Ölreserven weit unter Marktpreis auf. Die USA dürften die offiziellen Angaben der chinesischen Goldreserven hingegen mit Unbehagen zur Kenntnis genommen haben, denn die Vermutung, dass China eine goldgedeckte Weltleitwährung zur Ablösung des US-Dollar plant, wird dadurch genährt. Mehr zum Thema Goldreserven in der Inflationsschutzbrief-Ausgabe 12/2014.

Hat China den Goldpreis gedrückt?

Die Märkte waren davon ausgegangen, dass China mindestens die doppelte Menge der nun veröffentlichten Goldreserven besitzt, was Ende Juli natürlich zu einer weiteren negativen Entwicklung des Goldpreises an den Börsen geführt hat. China hat klare Ambitionen eine Weltreservewährung zu schaffen, um die Weltleitwährung US-Dollar herauszufordern und die Lücke der zurückgegangenen weltweiten Euro-Reserven bei den Notenbanken zu schließen. Aus diesem Grund machten einige Experten darauf aufmerksam, dass China die Zahlen über seine Goldbestände genau zu dem Zeitpunkt veröffentlicht hat, als der Goldpreis ohnehin unter Druck stand, mit dem Ergebnis, dass der Goldpreis weiter deutlich gefallen und damit Gold für Aufkäufer wie China günstiger geworden ist.

Nach verlässlichen Zahlen hat China zwischen 2010 und 2014 3.967 Tonnen Gold importiert, die Produktion heimischer Minen lag zudem bei 1.979 Tonnen. Innerhalb von vier Jahren wurden also insgesamt 5.964 Tonnen Gold in China gefördert und importiert. Insofern dürfte der Zeitpunkt der jüngst veröffentlichten Goldbestände unter dem Gesichtspunkt einer alten Kaufmannsweisheit einzuordnen sein, „im Einkauf liegt der Vorteil“. Die chinesische Zentralbank kauft seit Jahren über Dritte verdeckt Goldbestände vor allem im Ausland auf, da sie dort ihre Dollar-Reserven direkt eintauschen und abbauen kann. Dieses Gold wird zwar über Hongkong verschifft, tauchten in den offiziellen Zollberichten jedoch nicht auf!

Könnte die Strategie der chinesischen Zentralbank sein, die Goldbestände bei privaten Unternehmen oder in der Bevölkerung zu lagern, über die man die Kontrolle hat? Wie wäre sonst die Diskrepanz zwischen den offiziellen 1.658 Tonnen und den zwischen 2010 und 2014 importierten und geförderten 5.964 Tonnen an Gold zu erklären? Das ist durchaus denkbar, denn wenn China der Forderung des IWF nachkommt und seine staatlichen Goldreserven veröffentlicht, um den Rinmimbi in den Währungskorb es IWF aufnehmen zu lassen, will man das sicherlich nicht mit gefälschten Angaben erreichen. Goldbestände über private Großinvestoren aufkaufen zu lassen, hat auch den Vorteil, dass dieses Gold nicht in der Bilanz der chinesischen Zentralbank auftaucht, somit nicht zu den offiziellen Goldreserven gezählt werden muss, aber die Kontrolle darüber – in einem totalitären Staat wie China – trotzdem gewährleistet ist.

Quo Vadis Goldpreis?

Wer physische Edelmetalle wie Gold und / oder Silber besitzt, sollte deshalb auch bei weiteren Kursrückgängen auf Dollarbasis ruhig bleiben, denn unabhängig von den Börsenkursen sind Edelmetalle wie Gold und Silber schuldenfreie Vermögenswerte, die großen Spekulanten haben den Edelmetall-Markt weitgehend verlassen, die Verschuldung auf der Welt geht munter weiter, die Zinsen könnten trotz gegenteiliger Behauptungen erneut sinken, und wenn China das Gold-As für eine neue Weltleitwährung aus dem Ärmel zieht, wird der Goldpreis aus all diesen Gründen mittelfristig sehr viel höher stehen als heute. Für Europäer, die Gold und Silber in der Währung Euro erworben haben, sieht die Welt hingegen viel besser aus, denn insbesondere der Goldpreis hat seit Ende 2013 bereits wieder um ca. 10 Prozent zugelegt. Es kann aber nicht schaden mit einem kleinen Anteil des Vermögens spekulativ zu agieren, um die Zeit zu überbrücken und Zinsen zu erwirtschaften. Unsere erfolgreichen Anlagestrategien zeigen wie das geht.

 

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