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Briten für BREXIT – Folgen für EU und Großbritannien

Briten für Brexit: 51,9 Prozent haben für den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union (EU) gestimmt. Wie kam es zu dieser Entwicklung, welche Folgen hat diese Entscheidung für Großbritannien sowie für die EU und könnte das Referendum möglicherweise wiederholt werden?

Briten für BREXIT – Folgen für EU und Großbritannien

Die Briten haben am 23. Juni entschieden und werden höchstwahrscheinlich die EU nach einer Übergangszeit von zwei Jahren verlassen. Diese Übergangszeit beginnt, sobald die Briten offiziell bei der EU ihren Austritt erklärt haben. Wann das der Fall sein wird ist ungewiss. Die Einschränkung „höchstwahrscheinlich“ deshalb, weil es verschiedene Möglichkeiten gibt, die zu einer Wiederholung des Referendums führen könnten.

BREXIT: Folgen des Austritts für EU und Großbritannien

Der Brexit kommt für viele überraschend, nachdem die Umfragen vor dem Referendum fast nur in den Metropolen durchgeführt wurden, in welchen jüngere Menschen leben, die mehrheitlich für einen Verbleib in der EU sind. Gewählt haben von den Jüngeren jedoch nur etwa 30 Prozent, weshalb die ländliche und ältere Bevölkerung, die aus historischen Gründen EU-kritisch aber gegenüber den Massenmedien unkritischer und deshalb leichter zu beeinflussen ist, bei einer Wahlbeteiligung von 72 Prozent in der Mehrheit war. Neben den Fehlern der EU waren die Flüchtlingskrise sowie die Angst vor Überfremdung und wirtschaftlichem Abstieg die Hauptgründe der Briten für den Brexit und damit für einen Austritt Großbritanniens aus der EU zu stimmen.

Bei den Prognosen wurde zudem unterschätzt, wieviele Nichtwähler durch das Referendum mobilisiert werden konnten. Insbesondere die Nichtwähler aus den Bevölkerungsschichten mit geringeren Einkommen, die  längst das Interesse an Politik verloren hatten, stärkten den Brexit-Befürwortern den Rücken, weil sie durch den Austritt aus der EU auf einen Schutz vor Einwanderern und Flüchtlingen sowie auf eine Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Situation hofften. Diese Hoffnungen werden sich mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht erfüllen, denn das britische Volk wird unter der neuen Situation mehr leiden als die EU, nachdem die Wirtschaft Großbritanniens im Verhältnis mehr Güter in die EU exportiert als umgekehrt. In Brüssel und bei den Gründungsmitgliedern der EU hat diese Entscheidung der Briten Bestürzung ausgelöst.

Der Schock sitzt tief in Brüssel sowie in London, und die Reaktionen auf die Brexit-Entscheidung vermitteln den Eindruck, sowohl die EU-Eliten als auch die britische Regierung hätten sich diese Entscheidung nicht im entferntesten vorstellen können. Das zeigt nur wieder, wie weit sie von den Bürgern und damit von der Realität entfernt sind.

Die Börsen reagierten auf den Brexit am 24. Juni mit deutlichen Kurseinbrüchen, die sich am 25. Juni jedoch wieder zu erholen begannen. Die größten Einbrüche waren an den europäischen Börsen zu verzeichnen. Der DAX fiel um 1.000 Punkte und das britische Pfund gab in der Spitze bis zu 10 Prozent nach, während die Preise von Gold und Silber biszu 5 Prozent zulegten. Kurzfristig ist mit einer weiteren Erholung der Aktienkurse zu rechnen. Sollte das Referendum nicht wiederholt werden, ist in den nächsten Monaten an den Börsen in Europa mit einer hohen Volatilität zu rechnen, da weitere negative Umstände infolge des Brexit bekannt werden und die Aktienkurse immer wieder belasten dürften.

Für die EU sind die negativen Folgen der Brexit-Entscheidung mehr politischer als wirtschaftlicher Natur. Zwar dürfte das Exportvolumen an die Briten aufgrund der in zwei Jahren steigenden Exportkosten zurückgehen, allein Deutschland hat im letzten Jahr Waren im Wert von 90 Milliarden Euro an Großbritannien geliefert, jedoch ist die mit dem Brexit verbundene Stärkung nationaler Bewegungen in weiten Teilen Europas viel gefährlicher. Direkt nach dem britischen Referendum haben der Front National von Marine le Pen, die Partei für die Freiheit von Geert Wilders und die Fünf Sterne Bewegung von Beppo Grillo ebenfalls EU-Referenden in Frankreich, Holland und Italien gefordert. In Deutschland erwägt die AFD einen ähnlichen Schritt. Sollten sich die Nachteile des EU-Austritts von Großbritannien in den nächsten Monaten nicht sehr deutlich zeigen, z. B. durch fallende Immobilienpreise und einen Rückgang der Investitionen, könnte es in weiteren Ländern zu ähnlichen Absonderungsinitiativen kommen. Auch die Entwicklung der Flüchtlingskrise wird dabei eine wichtige Rolle spielen.

Brexit – bricht die EU auseinander?

Die Politik hat die negative Stimmung in Großbritannien gegen eine EU unterschätzt, die mit einem bürokratischen Monster in Brüssel, undemokratischen Methoden und einer Einheitswährung (Euro), die für viele Länder zu stark ist, die Gemeinschaft aus einer Wirtschaftsunion auch in eine politische Union überführen will. Wenn schon die Gemeinschaftswährung Euro von vielen Staaten und ihren Bürgern mittlerweile als Bedrohung ihrer wirtschaftlichen Existenz betrachtet wird, ist die Gefahr sehr groß, dass nationalistische Bewegungen wie in Großbritannien Mehrheiten erreichen können.

Wir brauchen uns doch nur an die Situation in Deutschland nach dem 1. Weltkrieg erinnern, als die hohen Reparationsforderungen des Friedesvertrags von Versailles zu einer Hyperinflation, zu Armut und infolgedessen zu Fremdenhass, Nazi-Deutschland und schließlich zum 2. Weltkrieg führten. Die Lage in Deutschland nach dem 1. Weltkrieg kann durchaus mit der heutigen Situation in Griechenland verglichen werden, aber auch in Spanien, Italien und Frankreich ist die Lage angespannt.

Aus genau diesem Grund drängt die EU jetzt darauf, dass Großbritannien schnell austritt, damit die negativen wirtschaftlichen Folgen des Brexit sichtbar werden und den nationalistischen Bewegungen den Wind aus den Segeln nehmen. Denn die größte Gefahr ist, das sich die EU weiter destabilisiert und dadurch noch mehr zur Zielscheibe geopolitischer Interessen wird. Die Austrittserklärung wird jedoch nicht so schnell eintreffen wie sich Brüssel das vorstellt, weil Großbritannien nach Art. 50 des EU-Vertrags selbst den Austritt erklären muss, dafür aber derzeit niemand die Verantwortung übernehmen will. Der Brexit dürfte sich deshalb über mindestens 3 Jahre hinziehen. Und das in einer Phase, in der eine Ausweitung der Geldmenge durch Kredit an Grenzen stoßt, weil die Schulden und die Zinslasten so hoch sind, dass Staaten nur noch Wachstum erzeugen können, wenn andere Staaten wirtschaftlich geschwächt, destabilisiert und zerstört werden, so wie im Nahen und Mittleren Osten, in Afrika und möglicherweise bald auch in Europa. Die Flüchtlingswelle die seit 2015 die EU-Staaten mit voller Wucht getroffen hat, ist nichts anderes als die Folge des Schuldgeldsystems, das sich seit der Finanzkrise im Endstadium befindet.

In diesem Stadium des Schuldgeldsystems ist es leider zutreffend, wenn Politiker wie Finanzminister Wolfgang Schäuble behaupten, dass die Zeit der Nationalstaaten vorbei ist, weil nur noch große und wirtschaftlich starke Staatenverbünde überlebensfähig sind, die nicht so leicht destabilisiert und zerstört werden können. Das dürfte auch der wesentliche Grund sein, weshalb die EU unbedingt die Freihandelsabkommen TTIP und CETA direkt abschließen und nationale Abstimmungen in den Parlamenten der Mitgliedsstaaten verhindern will.

Anders als England und Wales wollen Schottland und Nordirland unbedingt in der EU bleiben, weshalb zusätzlich die Gefahr besteht, dass sich beide Länder von Großbritannien abspalten und das Vereinigte Königreich endgültig auseinanderbricht. David Cameron, der infolge des Brexit bereits seinen Rücktritt als britischer Primierminister erklärt hat, hätte gut daran getan, den Bürgern die drohenden Konsequenzen stärker vor Augen zu führen, denn nun dürfte er in die Geschichte als der Premierminister eingehen, der mit einem selbst initiierten Referendum, aus innerparteilichen Gründen, den völligen Zerfall der einstigen Weltmacht verursacht hat.

Wiederholung des Referendums möglich?

Mit 51,9 zu 48,1 Prozent ist die Volksabstimmung denkbar knapp ausgegangen. Es ist deshalb nicht auszuschließen, dass Neuwahlen, die nach dem Rücktritt von David Cameron drohen, oder der Einspruch von Regionalregierungen aus Schottland und Nordirland, dazu führen, dass das Referendum wiederholt wird. Die Wiederholung des Referendums wird bereits durch eine Online-Petition gefordert, die von mehr als 3 Millionen Briten mitgezeichnet wurde. In der Vergangenheit wurden auch Referenden in Irland und Dänemark nach einer ersten Ablehnung wiederholt, um in beiden Fällen doch noch eine Zustimmung zum Vertrag von Lissabon zu erreichen. Die Frage ist nur, ob das massiv angeschlagene politische System in England, noch über die Kraft und die Unabhängigkeit verfügt, um das Referendum erneut anzusetzen, da es sehr einflussreiche Kräfte gibt, die unbedingt den Brexit wollen.

Brexit – Mittel zur Destabilisierung Europas?

In vorderster Front hat „The Sun“, die auflagenstärkste Zeitung in Großbritannien, die dem Medienmogul Rupert Murdoch gehört, vehement für den Brexit getrommelt. Was also steckt hinter den Motiven von Medien, die den Brexit offensichtlich wollen?

Ursachen und Folgen des BREXIT für EU und Großbritannien

Schon in der Vergangenheit hat es Angriffe auf die EU gegeben: Zuerst mit dem Balkankrieg ab 1991 und der Zerschlagung der Republik Jugoslawien, später mit den Attacken von Hedge-Fonds und Spekulanten auf die Süd-Staaten der Eurozone in 2010, bei der die drei großen Ratingagenturen Moodys, Standard & Poors und Fitch eine wichtige Unterstützerrolle für die Finanzindustrie spielten und damit die europäische Schuldenkrise auslösten. Die Abspaltung Großbritanniens dürfte das Ziel haben, die durch Eurokrise, Schuldenkrise und Flüchtlingskrise angeschlagene EU als Wirtschaftsgemeinschaft weiter zu destabilisieren. George Soros, der schillernde Großinvestor und Politstratege, sieht nach der Brexit-Entscheidung den Zerfall der EU als unumkehrbar an.

Brexit und das Schuldgeldsystem

Das Schuldgeldsystem ist zyklisch und am Ende jedes Zyklus wächst das Vermögen einer kleinen Minderheit von Superreichen, die in hohem Maße das Weltgeschehen bestimmen, exponentiell an. In einem System in welchem das Geld aus Schulden entsteht, siehe Geldschöpfung, wachsen Schulden und Vermögen spiegelbildlich, weshalb es dann, wenn eine globale Überschuldung eintritt, zu einer Entwertung der Vermögen kommen müsste, damit die Überschuldung abgebaut werden kann. Diese Entwertung von Vermögen wollen die Superreichen verhindern, weshalb es in der Vergangenheit entweder zu Krieg oder zu einer Enteignung der Massen kam.

Seit dem Ausbruch der Finanzkrise in 2008 befindet sich die Welt in dem Stadium der Überschuldung, weshalb die Zinsen bis in den negativen Bereich gesenkt werden mussten, um den Kollaps zu verhindern. Es ist kein Zufall, dass seit dem Ausbruch der Finanzkrise in der Welt viele neue Krisen entstanden sind. Insbesondere die politische Situation zwischen Russland und dem Westen sowie die Erneuerung der amerikanischen Atomwaffen und die Verstärkung der NATO-Truppen auf dem europäischen Kontinent, muss die Bürger Europas mit großer Sorge erfüllen.

Mit der wahrscheinlichen Abspaltung Großbritanniens, dem Wettbewerb unter den Euro-Staaten, der anhaltenden Flüchtlingskrise und dem geostrategischen Keil, der vom Baltikum über Polen und Ungarn bis hin zur Ukraine zwischen Europa und Russland getrieben wird, gerät die EU an den Rand ihrer Belastungsgrenze.

Zusammenfassung:
Titel:
Briten für BREXIT – Folgen für EU und Großbritannien
Kurzbeschreibung:
BREXIT: 51,9 % der Briten stimmten für EU-Austritt. Welche Folgen hat das für Großbritannien und die EU? Kann das Referendum wiederholt werden?
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veröffentlicht von:
Inflationsschutzbrief © 2016
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